Effektiver Jahreszins berechnen
Der effektive Jahreszins macht Kreditangebote vergleichbar, weil er neben dem Sollzins auch Gebühren enthält. Der Rechner ermittelt ihn aus Darlehen, Zins, Laufzeit und Gebühr.
Der effektive Jahreszins enthält neben dem Sollzins auch Bearbeitungsgebühren und macht Angebote vergleichbar.
Übersicht
- Der effektive Jahreszins enthält den Sollzins plus Gebühren und den Zinsrhythmus.
- Er macht Kreditangebote vergleichbar und muss nach PAngV ausgewiesen werden.
- Nicht enthalten sind etwa Restschuldversicherung oder Kontoführungsgebühren.
- Beim Kreditvergleich zählt immer der effektive Jahreszins, nicht der Sollzins.
Der effektive Jahreszins gibt die tatsächlichen jährlichen Kosten eines Kredits in Prozent an. Anders als der Sollzins berücksichtigt er auch einmalige Kosten wie Bearbeitungsgebühren sowie die monatliche Zahlungsweise. Damit ist er die wichtigste Kennzahl, um Kreditangebote miteinander zu vergleichen.
Der Rechner oben ermittelt aus Nettodarlehen, Sollzins, Laufzeit und einer eventuellen Gebühr den effektiven Jahreszins nach der Barwertmethode. Hier erfährst du, was hinter der Zahl steckt, welche Kosten einfließen und wie du sie beim Kreditvergleich richtig nutzt.
Sollzins oder effektiver Jahreszins?
Beide Zinssätze stehen in jedem Kreditangebot, beschreiben aber Unterschiedliches:
- Der Sollzins, früher Nominalzins genannt, ist der reine Zins auf die Kreditsumme. Er bestimmt, wie viel Zins in jeder Rate steckt.
- Der effektive Jahreszins enthält zusätzlich alle Pflichtkosten des Kredits und den Effekt, dass du monatlich statt jährlich zahlst.
Beim Vergleich von Krediten zählt deshalb immer der effektive Jahreszins. Banken und Vermittler müssen ihn nach der Preisangabenverordnung (PAngV) angeben, sobald sie mit Zinsen oder Kosten werben. Zwei Angebote mit gleichem Sollzins können sich beim Effektivzins deutlich unterscheiden.
Warum der Effektivzins auch ohne Gebühren höher ist
Wird der Sollzins monatlich abgerechnet, wirkt ein Zinseszinseffekt: Jeder Monat wird mit einem Zwölftel des Jahreszinses verzinst, und auf die Zinsen fallen innerhalb des Jahres wieder Zinsen an. Der effektive Jahreszins rechnet das auf ein Jahr hoch: (1 + Sollzins ÷ 12)12 − 1.
| Sollzins (monatliche Zahlung) | Effektiver Jahreszins ohne Gebühren |
|---|---|
| 2,00 % | 2,02 % |
| 3,00 % | 3,04 % |
| 4,00 % | 4,07 % |
| 5,00 % | 5,12 % |
| 6,00 % | 6,17 % |
| 8,00 % | 8,30 % |
| 10,00 % | 10,47 % |
Je höher der Zins, desto größer wird der Abstand. Liegt der Effektivzins eines Angebots deutlich über diesen Werten, enthält der Kredit weitere Kosten.
So wirken Gebühren auf den Effektivzins
Bei der Barwertmethode wird der Zinssatz gesucht, bei dem alle künftigen Raten abgezinst genau dem Betrag entsprechen, der dir tatsächlich zur Verfügung steht. Wird eine Gebühr fällig, erhältst du effektiv weniger Geld, zahlst aber dieselben Raten. Der Effektivzins steigt.
Beispiel: Ein Kredit über 10.000 € zu 5 % Sollzins mit 48 Monaten Laufzeit hat eine Monatsrate von 230,29 €. Die Tabelle zeigt, wie sich eine einmalige Gebühr auswirkt:
| Einmalige Gebühr | Monatsrate | Gesamtkosten (Zinsen + Gebühr) | Effektiver Jahreszins |
|---|---|---|---|
| 0 € | 230,29 € | 1.054,06 € | 5,12 % |
| 100 € | 230,29 € | 1.154,06 € | 5,65 % |
| 200 € | 230,29 € | 1.254,06 € | 6,20 % |
| 300 € | 230,29 € | 1.354,06 € | 6,76 % |
| 500 € | 230,29 € | 1.554,06 € | 7,91 % |
Schon eine Gebühr von 1 % der Kreditsumme hebt den Effektivzins in diesem Beispiel um mehr als einen halben Prozentpunkt.
Die Laufzeit verändert die Wirkung von Gebühren
Eine einmalige Gebühr verteilt sich auf die gesamte Laufzeit. Bei kurzen Krediten schlägt sie deshalb viel stärker auf den Effektivzins durch als bei langen. Für 10.000 € zu 5 % Sollzins und 200 € Gebühr ergibt sich:
- 12 Monate: Rate 856,07 €, effektiver Jahreszins 9,15 %
- 24 Monate: Rate 438,71 €, effektiver Jahreszins 7,22 %
- 48 Monate: Rate 230,29 €, effektiver Jahreszins 6,20 %
- 84 Monate: Rate 141,34 €, effektiver Jahreszins 5,76 %
Der Effektivzins ist also immer im Zusammenhang mit der Laufzeit zu lesen. Vergleiche Angebote nur bei gleicher Kreditsumme und gleicher Laufzeit.
Was ist enthalten und was nicht?
In den effektiven Jahreszins fließen alle Kosten ein, die du für den Kredit zwingend zahlen musst. Dazu gehören:
- Sollzinsen und die Zahlungsweise
- Bearbeitungs- und Vermittlungsentgelte, sofern sie anfallen
- ein Disagio, also ein Abschlag bei der Auszahlung
- Kosten für Versicherungen oder Konten, wenn sie Voraussetzung für den Kredit sind
Nicht enthalten sind freiwillige Zusatzleistungen wie eine optionale Restschuldversicherung, Verzugszinsen und Kosten, die nur bei Vertragsverletzungen entstehen. Notarkosten bei Immobilienkrediten bleiben ebenfalls außen vor.
Bei Verbraucherkrediten hat der Bundesgerichtshof 2014 vorformulierte Bearbeitungsentgelte von Banken für unwirksam erklärt. Gebühren kommen trotzdem vor, etwa als Vermittlerprovision, bei Krediten für Selbstständige oder als Disagio. Mit dem Rechner kannst du ihren Effekt sichtbar machen.
Tipps für den Kreditvergleich
Der effektive Jahreszins ist ein starkes Vergleichswerkzeug, wenn du ihn richtig einsetzt:
- Repräsentatives Beispiel beachten: Werbung mit einem „ab“-Zins muss ein Beispiel enthalten, dessen Effektivzins mindestens zwei Drittel der Kunden erhalten. Dein persönlicher Zins hängt von deiner Bonität ab.
- Bonitätsabhängige Angebote einholen: Erst das konkrete Angebot zeigt deinen tatsächlichen Effektivzins.
- Zusatzprodukte separat bewerten: Eine angebotene Restschuldversicherung erhöht die monatliche Belastung oft spürbar, ohne im Effektivzins aufzutauchen.
- Dispo ablösen: Ein Ratenkredit ist meist günstiger als ein dauerhaft genutzter Dispositionskredit. Was der Dispo kostet, zeigt der Rechner Dispozinsen.
Häufige Fragen
Ist der effektive Jahreszins bei Baufinanzierungen genauso aussagekräftig?
Er ist auch dort der wichtigste Vergleichswert, bezieht sich aber nur auf die Zinsbindung. Bei Baudarlehen spielen zusätzlich Sondertilgungsrechte, Bereitstellungszinsen und die Restschuld eine Rolle. Die Rate rechnest du mit dem Tilgungsrechner.
Warum weicht mein Ergebnis leicht vom Bankangebot ab?
Der Rechner arbeitet mit einer vereinfachten Barwertmethode und gleichen Monatsraten. Banken berücksichtigen zum Beispiel genaue Auszahlungs- und Fälligkeitstermine oder eine abweichende erste oder letzte Rate. Kleinere Abweichungen im Bereich von Hundertstelprozenten sind daher normal.
Wie berechne ich die Rate für einen Autokauf?
Für Fahrzeugfinanzierungen mit Anzahlung und optionaler Schlussrate eignet sich der Autokredit-Rechner. Dort siehst du Monatsrate und Zinskosten auf einen Blick.
