Welche Kreditlaufzeit passt zu mir?
Wer einen Ratenkredit aufnimmt, entscheidet nicht nur über die Kreditsumme, sondern muss sich ebenso eine konkrete Laufzeit aussuchen – was wiederum erheblichen Einfluss darauf hat, wie stark der Kredit das monatliche Budget belastet und wie teuer die Finanzierung insgesamt wird. Der Kreditexperte smava erklärt, worauf es bei der Wahl der Kreditlaufzeit wirklich ankommt.
Warum beeinflusst die Kreditlaufzeit meine Gesamtkosten?
Die grundlegende Rechnung ist recht einfach:
- Je kürzer die Laufzeit eines Kredits ist, desto weniger Monate stehen für die Rückzahlung zur Verfügung.
- Entsprechend höher fällt die einzelne Monatsrate aus; d.h. das freiverfügbare Einkommen wird stärker belastet.
- Da Kreditnehmer auf die jeweils noch offene Schuld Zinsen zahlen, fallen bei schnellerer Tilgung unter ansonsten gleichen Bedingungen insgesamt weniger Zinsen an.
Bei einer längeren Laufzeit passiert das Gegenteil. Die Rückzahlung verteilt sich auf mehr Monate. Dadurch sinkt die monatliche Belastung, allerdings bleibt die Restschuld länger bestehen. Insgesamt können deshalb deutlich höhere Zinskosten entstehen.
Hinzu kommt, dass Banken für unterschiedliche Laufzeiten nicht zwingend denselben Zinssatz anbieten. Da kürzere Laufzeiten auch für die Kreditinstitute mit weniger Risiko verbunden sind, sind solche Kredite häufig (aber nicht automatisch) günstiger verzinst. Wer Varianten vergleichen möchte, sollte deshalb nicht nur die Monatsrate betrachten. Wichtig sind insbesondere:
- Der effektive Jahreszins
- Der insgesamt zurückzuzahlende Betrag
- Die Höhe der monatlichen Rate
- Die möglichen Kosten bzw. Bedingungen für Sondertilgungen
Erst diese Angaben zeigen, welche Finanzierung tatsächlich günstiger ausfällt.
- Maximale Laufzeit: Begrenzt das Risiko für die Bank bei langfristigen Zinsänderungen.
- Minimale Laufzeit: Stellt sicher, dass das Darlehen für die Bank profitabel ist.
Lohnt sich aktuell ein Kredit mit kurzer Laufzeit und hoher Rate?
Aufgrund des aktuellen Zinsniveaus gibt es keine pauschal optimale Laufzeit. Wichtig sind der konkrete Effektivzins, die Gesamtkosten und das persönliche Budget. Grundsätzlich kann eine kurze Kreditlaufzeit immer dann finanziell sinnvoll sein, wenn die damit verbundene höhere Monatsrate dauerhaft problemlos bezahlbar bleibt – das heißt, auch in teureren Monaten. Je kürzer die Kreditlaufzeit, desto:
- rascher hat man das Darlehen getilgt und ist wieder schuldenfrei und
- geringer fallen die Zinskosten aus; der Kredit wird also billiger
Damit ist eine kurze Laufzeit auch weitgehend entkoppelt von den jeweils aktuellen Hochs und Tiefs der Zinsen und ähnlicher Faktoren. Generell ist eine kurze Laufzeit ratsam. Wie kurz genau hängt jedoch stets von der konkreten Finanzierung und der individuellen Haushaltslage ab.
Problematisch wird eine hohe Rate vor allem dann, wenn sie den verfügbaren finanziellen Spielraum nahezu vollständig aufbraucht. Eine größere Autoreparatur, höhere Energiekosten oder andere unerwartete Ausgaben können dann schnell dazu führen, dass zusätzlich Geld benötigt wird. Zwar achten Banken bei der Haushaltsprüfung bereits darauf, dass eine Rate nicht unbotmäßig hoch ausfällt, dennoch sollten auch Kreditnehmer vor der Entscheidung prüfen:
- Wie hoch ist der tatsächliche monatliche Überschuss?
- Welche größeren Ausgaben fallen unregelmäßig an?
- Bleibt nach der Kreditrate weiterhin eine ausreichende Reserve?
- Wie stark steigen die Gesamtkosten bei einer etwas längeren Laufzeit?
Ein wichtiger Grund dafür: Die kürzeste angebotene Laufzeit ist nicht zwangsläufig auch die individuell passendste. Eine Rate muss sich über mehrere Jahre zuverlässig tragen lassen. Daher sind die eigene Kenntnis der Haushaltsfinanzen und das Bauchgefühl oft die besseren Ratgeber als eine zu stumpfe Maxime „Kredit möglichst rasch tilgen."Wie groß kann der Unterschied zwischen kurzer und langer Laufzeit sein?
Banken limitieren zwar die maximale Kreditlaufzeit. Dennoch existiert in der Praxis eine sehr große Spanne, aus der Kreditnehmer im Rahmen ihrer Bonität frei wählen können. Folgendes Beispiel macht den Effekt sichtbar. Angenommen, ein Kreditnehmer benötigt 20.000 Euro und erhält einen gebundenen Sollzins von sechs Prozent jährlich.
- 36 Monate Laufzeit: Bei einer Laufzeit von 36 Monaten beträgt die rechnerische Monatsrate rund 608 Euro. Über die gesamte Laufzeit entstehen dabei ungefähr 1.900 Euro Zinskosten.
- 84 Monate Laufzeit: Wird derselbe Kredit über 84 Monate zurückgezahlt, sinkt die monatliche Rate auf etwa 292 Euro. Dafür steigen die gesamten Zinskosten auf rund 4.540 Euro.
Die längere Laufzeit verschafft dem Kreditnehmer damit monatlich mehr als 300 Euro zusätzlichen finanziellen Spielraum. Gleichzeitig bezahlt er diesen Spielraum über die gesamte Finanzierung mit rund 2.600 Euro mehr an Zinsen.
Genau auf diesen Zusammenhang weist auch smava in seinem Ratgeber zur Kreditlaufzeit und deren Einfluss auf Rate und Kosten hin. Das Kreditportal empfiehlt, unterschiedliche Laufzeiten anhand der konkreten Monatsbelastung und der Gesamtkosten miteinander zu vergleichen.
Kann eine längere Laufzeit trotz höherer Kosten sinnvoll sein?
Dementsprechend kann eine längere Laufzeit durchaus sinnvoll sein, wenn sie die monatliche Belastung auf ein dauerhaft komfortables bzw. sichereres Niveau senkt.
Besonders bei höheren Kreditsummen kann der Unterschied erheblich sein. Wer durch eine sehr kurze Laufzeit jeden Monat an die Grenze seines verfügbaren Budgets geht, erkauft niedrigere Zinskosten mit einem höheren finanziellen Risiko im Alltag.
Ein möglicher Mittelweg sind Kredite, bei denen flexible Sondertilgungen möglich sind. Wer zunächst eine moderatere Monatsrate vereinbart, kann dann bei entsprechendem finanziellen Spielraum zusätzlich tilgen. Ob Sondertilgungen kostenlos und in welcher Höhe möglich sind, hängt vom jeweiligen Vertrag ab.
Wie finde ich eine Kreditrate, die zu meinem Budget passt?
Für jeden Kredit sollte man seine eigene Finanzlage gründlich analysieren. Ausgangspunkt ist eine möglichst realistische Haushaltsrechnung. Dafür stellt man die regelmäßigen Nettoeinnahmen den tatsächlichen Ausgaben gegenüber. Kosten, die nur einmal oder wenige Male pro Jahr anfallen, sollte man dabei auf einen monatlichen Durchschnitt umrechnen.
Zum verfügbaren Einkommen gehören beispielsweise Gehalt oder andere regelmäßige Einnahmen. Auf der anderen Seite stehen feste Kosten wie Miete beziehungsweise Immobilienfinanzierung und Versicherungen sowie variable Lebenshaltungskosten.
Das bedeutet aber nicht, dass man alles, was danach verbleibt, für die Rate ansetzen sollte – dabei wird auch keine Bank mitspielen. Je nach Kreditart und Verwendung sollte es ein maximaler Prozentsatz dieses freiverfügbaren Einkommens sein. Folgende Faustregeln haben sich dafür etabliert:
| Kreditart | Sinnvolle Orientierungsgröße | Praktische Faustregel |
|---|---|---|
| Konsum-/Ratenkredit | frei verfügbarer Monatsüberschuss | etwa 40–60 % davon für die Rate |
| Autokredit | frei verfügbarer Monatsüberschuss | eher 30–50 %, sofern laufende Autokosten zusätzlich anfallen |
| Umschuldung | frei verfügbarer Monatsüberschuss | meist 40–60 %, entscheidend ist aber die Entlastung gegenüber den alten Raten |
| Modernisierungs-/grö ßerer Ratenkredit | frei verfügbarer Monatsüberschuss | etwa 40–60 %, bei langer Laufzeit eher konservativer |
| Baufinanzierung | Haushaltsnettoeinkommen | grob 25–35 %, rund 40 % eher als obere Orientierung |
Fazit: Ist die kürzeste mögliche Kreditlaufzeit automatisch die beste?
Nein. Unter ansonsten gleichen Bedingungen reduziert eine kürzere Laufzeit zwar in der Regel die gesamten Zinskosten. Sie ist aber nur dann sinnvoll, wenn die höhere Rate dauerhaft zur eigenen finanziellen Situation passt.
Wer ausreichend monatlichen Spielraum besitzt und gleichzeitig finanzielle Reserven behält, kann mit einer kurzen Laufzeit schneller schuldenfrei werden und die Kreditkosten begrenzen. Muss dafür aber jeden Monat finanziell alles perfekt laufen, weil sonst die Haushaltsfinanzen kippen, kann eine längere Laufzeit trotz höherer Gesamtkosten die stabilere Lösung sein.
Die passende Kreditlaufzeit liegt deshalb dort, wo sich niedrige Gesamtkosten und eine dauerhaft tragbare Monatsrate möglichst gut miteinander verbinden lassen – und das ist individuell sehr verschieden.
Informationen zu Krediten für VerbraucherInnen in Deutschland findet man auch online auf der Website der BaFin.

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