Rentenlücke: So viel Geld sollte man je Einkommen sparen
Viele Beschäftigte haben Angst, später in der Rente zu wenig Geld zu bekommen oder sogar von Armut betroffen zu sein. In manchen Fällen ist diese Angst sicher nicht unberechtigt. Wie man sich gegen die Rentenlücke schützen kann und wie viel Geld man sparen sollte, findet man hier auf Finanz.de.
Viele Menschen in Deutschland blicken mit Sorge auf ihre spätere Rente. Das Vertrauen in die gesetzliche Altersvorsorge sinkt seit Jahren, während Experten vor einer wachsenden Rentenlücke warnen. Wer seinen gewohnten Lebensstandard im Ruhestand halten möchte, wird deshalb immer häufiger nicht allein auf die gesetzliche Rente setzen können.
Eine aktuelle Auswertung der Deutschen Bank zeigt, dass mehr als 80 Prozent der Deutschen die gesetzliche Rente inzwischen nicht mehr für ausreichend halten. Hintergrund ist unter anderem das Rentenniveau, das 2026 bei 48 Prozent liegt. Langfristigen Prognosen zufolge könnte dieser Wert bis 2039 auf rund 46 Prozent sinken. Für viele Beschäftigte bedeutet das, dass die gesetzliche Rente deutlich unter dem bisherigen Einkommen liegen dürfte.
So viel bleibt in der Rente übrig
Wer beispielsweise zuletzt 3.000 Euro netto verdient hat, muss im Ruhestand häufig mit weniger als 1.500 Euro monatlich rechnen. Finanzexperten gehen jedoch davon aus, dass etwa 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens erforderlich sind, um den bisherigen Lebensstandard weitgehend zu halten. Die entstehende Differenz wird als Rentenlücke bezeichnet und muss durch private oder betriebliche Altersvorsorge geschlossen werden.
Besonders groß fällt das Risiko für bestimmte Bevölkerungsgruppen aus. Frauen beziehen im Durchschnitt deutlich niedrigere Altersbezüge als Männer. Nach aktuellen Berechnungen liegt der sogenannte Gender Pension Gap bei rund 36 Prozent. Ursachen sind unter anderem längere Familienzeiten, häufigere Teilzeitbeschäftigung und geringere Einkommen während des Erwerbslebens.
Auch niedrige Einkommen stark betroffen
Auch Menschen mit niedrigen Einkommen stehen vor einer besonderen Herausforderung. Ihnen fehlt häufig der finanzielle Spielraum, regelmäßig Geld für die private Altersvorsorge zurückzulegen. Gleichzeitig sind sie später besonders auf eine ausreichende gesetzliche Rente angewiesen.
Die politische Debatte über die Zukunft der gesetzlichen Rente hält ebenfalls an. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die gesetzliche Rente als „Basisabsicherung“. Diese Aussage sorgte für Kritik, verdeutlicht aber die Richtung, in die sich das Rentensystem nach Ansicht vieler Experten entwickelt: Die gesetzliche Rente soll die Grundversorgung sichern, während ein größerer Teil der Altersvorsorge privat aufgebaut werden muss.
Ein entscheidender Faktor beim Vermögensaufbau ist der Zeitfaktor. Durch den Zinseszinseffekt können bereits vergleichsweise kleine Sparbeträge über viele Jahre zu einem beachtlichen Vermögen anwachsen. Wer beispielsweise mit 27 Jahren beginnt und langfristig eine durchschnittliche Rendite von sechs Prozent erzielt, benötigt für ein zusätzliches Vermögen von 100.000 Euro monatlich rund 50 Euro Sparrate. Beginnt der Vermögensaufbau erst mit 47 Jahren, steigt der notwendige Betrag auf etwa 230 Euro pro Monat.
ETF-Sparpläne besonders beliebt
Als besonders kostengünstige Form der privaten Altersvorsorge gelten ETF-Sparpläne auf breit gestreute Aktienindizes. Sie ermöglichen bereits mit kleinen monatlichen Beträgen eine Beteiligung an tausenden Unternehmen weltweit und gelten langfristig als renditestark. Nach den derzeitigen Plänen soll ab 2027 zudem ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot eingeführt werden. Dabei sollen Einzahlungen unter bestimmten Voraussetzungen staatlich bezuschusst werden.
Für den Aufbau einer privaten Altersvorsorge empfehlen Experten zunächst einen Blick auf die eigene Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Diese wird ab dem 27. Lebensjahr in der Regel jährlich verschickt und zeigt die bisher erworbenen Rentenansprüche. Anschließend lässt sich mithilfe eines Rentenlücken-Rechners abschätzen, wie hoch der zusätzliche Vorsorgebedarf tatsächlich ist.
Wer regelmäßig Geld anlegt, sollte außerdem den Sparer-Pauschbetrag berücksichtigen. Kapitalerträge bleiben bis zu einer bestimmten Höhe steuerfrei, sofern ein Freistellungsauftrag bei der Bank eingerichtet wurde.
Fest steht: Je früher mit dem Vermögensaufbau begonnen wird, desto geringer fällt der notwendige monatliche Sparbetrag aus. Wer viele Jahre ungenutzt verstreichen lässt, muss später deutlich höhere Summen investieren, um die gleiche Versorgung im Alter zu erreichen.

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