Bis zu 770 Euro mehr - Neues Renten-Modell soll Altersbezüge deutlich erhöhen
Die Zukunft der gesetzlichen Rente bleibt eines der wichtigsten sozialpolitischen Themen in Deutschland. Ein neues Modell könnte bis zu 770 Euro mehr bringen. Alle Details findet man hier auf Finanz.de.
Angesichts der alternden Bevölkerung und steigender Belastungen für das Rentensystem werden seit Jahren verschiedene Reformmodelle diskutiert. Nun schlägt die Rentenkommission vor, die gesetzliche Altersvorsorge um eine verpflichtende kapitalgedeckte Komponente zu ergänzen.
Vorbild für das Konzept ist das Rentensystem in Schweden. Dort wird ein Teil der Altersvorsorge bereits über Kapitalanlagen finanziert. Nach Ansicht der Kommission könnte ein ähnliches Modell langfristig auch die Renten in Deutschland stärken.
Individuelle Kapitalkonten für alle Versicherten
Kern des Reformvorschlags ist die Einführung eines persönlichen Kapitalkontos für jede versicherte Person. Auf dieses Konto würden zusätzliche Rentenbeiträge fließen, die zentral verwaltet und am Kapitalmarkt investiert werden.
Geplant ist ein zusätzlicher Beitrag von insgesamt zwei Prozent des Einkommens. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen diesen Beitrag gemeinsam finanzieren. Die Einführung könnte nach den bisherigen Plänen schrittweise ab dem Jahr 2028 erfolgen.
Durch die langfristige Anlage am Kapitalmarkt sollen höhere Erträge erzielt werden als im bisherigen umlagefinanzierten Rentensystem allein möglich wären. Die Rentenkommission rechnet langfristig mit einer realen Rendite zwischen 3,5 und fünf Prozent pro Jahr.
Zusätzliche Rentenzahlungen von mehreren hundert Euro möglich
Nach Berechnungen der Kommission könnte sich die Kapital Rente deutlich auf die Höhe der späteren Altersbezüge auswirken. Voraussetzung ist allerdings, dass über viele Jahre regelmäßig Beiträge eingezahlt werden.
Wer rund 20 Jahre in das neue System einzahlt, könnte im Ruhestand eine zusätzliche monatliche Rente von etwa 150 Euro erhalten. Bei einer Beitragsdauer von 45 Jahren gehen die Modellrechnungen sogar von einem möglichen Zuschlag von mehr als 770 Euro pro Monat aus.
Diese Werte beruhen auf langfristigen Annahmen zur Entwicklung der Kapitalmärkte. Die tatsächliche Höhe der späteren Zusatzrente würde unter anderem von der Rendite der Geldanlagen und der Dauer der Einzahlung abhängen.
Junge Generationen sollen besonders profitieren
Von dem geplanten Modell würden vor allem jüngere Versicherte profitieren. Je früher mit dem Aufbau des Kapitalstocks begonnen wird, desto stärker wirkt sich der Zinseszinseffekt über mehrere Jahrzehnte aus.
Für Menschen, die kurz vor dem Ruhestand stehen, wäre der Zeitraum bis zum Renteneintritt dagegen deutlich kürzer. Entsprechend würden sich die möglichen zusätzlichen Rentenansprüche geringer ausfallen.
Die Rentenkommission sieht die Kapitalrente deshalb als langfristige Ergänzung zur gesetzlichen Rentenversicherung und nicht als kurzfristige Lösung für die aktuellen Herausforderungen des Rentensystems.
Frühstart-Rente soll Vermögensaufbau bereits im Kindesalter beginnen
Ergänzend schlägt die Kommission eine sogenannte Frühstart-Rente vor. Ziel ist es, bereits im Kindesalter mit dem Aufbau einer zusätzlichen Altersvorsorge zu beginnen.
Nach den bisherigen Überlegungen könnte jedes Kind ab dem sechsten Lebensjahr ein eigenes staatlich gefördertes Kapitalkonto bei der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten. Dieses Konto würde später in die Kapitalrente übergehen und den Vermögensaufbau über einen besonders langen Zeitraum ermöglichen.
Ob die Bundesregierung die Vorschläge der Rentenkommission vollständig oder in veränderter Form übernimmt, ist derzeit noch offen. Fest steht jedoch, dass die Diskussion über eine stärkere kapitalgedeckte Altersvorsorge angesichts der demografischen Entwicklung weiter an Bedeutung gewinnen dürfte.

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