Geringere Rente im Alter - Diese Jahrgänge gelten als Rentenverlierer
Wenn es um die Rente in Deutschland geht, gibt es auch sogenannte Rentenverlierer. Gemeint sind damit bestimmte Jahrgänge, die in Hinblick auf ihre Rente besonders schlecht dastehen. Alle Details findet man hier auf Finanz.de.
Nicht jeder Rentenjahrgang startet unter denselben Voraussetzungen in den Ruhestand. Während einige Generationen von stabilen Erwerbsbiografien und günstigen gesetzlichen Rahmenbedingungen profitierten, mussten andere gleich mehrere Reformen, Wirtschaftskrisen und Umbrüche verkraften.
Deshalb ist häufig von sogenannten „Rentenverlierern“ die Rede. Tatsächlich gibt es bestimmte Geburtsjahrgänge und Erwerbsbiografien, die statistisch häufiger von niedrigen Renten betroffen sind als andere.
Warum das Rentensystem unter Druck steht
Die gesetzliche Rente wird im Umlageverfahren finanziert. Das bedeutet: Die Beiträge der heutigen Beschäftigten finanzieren die Renten der aktuellen Ruheständler.
Dieses System gerät jedoch zunehmend unter Druck. Während Anfang der 1960er-Jahre noch rund sechs Beitragszahler auf einen Rentner kamen, sind es heute nur noch etwa zwei.
Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung kontinuierlich. Dadurch müssen Renten länger gezahlt werden, während weniger Menschen Beiträge leisten.


Was das Rentenniveau wirklich bedeutet
Oft wird über das sogenannte Rentenniveau diskutiert. Dabei handelt es sich allerdings nicht um den Anteil der eigenen Rente am letzten Gehalt. Das Rentenniveau beschreibt vielmehr das Verhältnis einer sogenannten Standardrente mit 45 Entgeltpunkten zum durchschnittlichen Einkommen aller Versicherten – jeweils vor Steuern, aber nach Sozialabgaben.
Es ist deshalb ein Maß für die Leistungsfähigkeit des gesamten Rentensystems und sagt nichts über die individuelle Rentenhöhe aus.
Diese Jahrgänge gelten als besonders betroffen: Als erste Generation, die die vollständige Rente mit 67 tragen muss, gilt der Geburtsjahrgang 1964. Für diese Versicherten liegt die reguläre Altersgrenze erstmals vollständig bei 67 Jahren. Sie erreichen ihre abschlagsfreie Regelaltersrente regulär erst im Jahr 2031.
Mehrere Reformen trafen ältere Jahrgänge
Auch die späten 1950er- und frühen 1960er-Jahrgänge gelten häufig als besonders belastet. Viele Menschen dieser Generation erlebten mehrere Rentenreformen, gleichzeitig aber auch tiefgreifende Veränderungen am Arbeitsmarkt.
Vor allem nach der Wiedervereinigung verloren zahlreiche Beschäftigte – insbesondere in Ostdeutschland – ihren Arbeitsplatz oder mussten über längere Zeit deutlich niedrigere Einkommen akzeptieren.
Längere Arbeitslosigkeit, Niedriglohnphasen oder unterbrochene Erwerbsbiografien führten dazu, dass weniger Entgeltpunkte gesammelt werden konnten.
Frauen besonders häufig betroffen
Überdurchschnittlich häufig betroffen sind außerdem Frauen der Geburtsjahrgänge zwischen etwa 1955 und 1970. Teilzeitbeschäftigung, längere Erwerbsunterbrechungen wegen Kindererziehung oder Pflege sowie Minijobs führten oftmals dazu, dass deutlich weniger Rentenansprüche aufgebaut wurden.
Zwar wurden Kindererziehungszeiten in den vergangenen Jahren mehrfach verbessert, dennoch besteht der sogenannte Gender Pension Gap weiterhin.
Niedrige Einkommen bedeuten dauerhaft weniger Rente
Wie stark sich ein niedriges Einkommen auswirken kann, zeigt eine einfache Beispielrechnung. Wer 40 Jahre lang lediglich 1.200 Euro brutto im Monat verdient, sammelt deutlich weniger Entgeltpunkte als Durchschnittsverdiener.
Bei einem Jahresverdienst von 14.400 Euro entstehen pro Jahr lediglich rund 0,285 Entgeltpunkte. Nach 40 Jahren ergibt das rund 11,4 Entgeltpunkte. Beim Rentenwert von 40,79 Euro (Stand 1. Juli 2025) entspricht das einer gesetzlichen Bruttorente von lediglich etwa 465 Euro monatlich.
Nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bleiben je nach Krankenkasse ungefähr 405 bis 410 Euro netto. Das Beispiel verdeutlicht, wie groß das Risiko niedriger Renten bei dauerhaft geringen Einkommen ist.
Altersarmut bleibt ein Thema
Besonders gefährdet sind Menschen mit langen Teilzeitphasen, niedrigen Löhnen oder häufigen Erwerbsunterbrechungen.
Auch Minijobs können die spätere Rente deutlich verringern, wenn über viele Jahre nur geringe Rentenbeiträge gezahlt wurden oder eine Befreiung von der Rentenversicherungspflicht bestand. Die Gefahr von Altersarmut ist deshalb vor allem bei lückenhaften Erwerbsbiografien deutlich erhöht.
Was Betroffene tun können
Auch wenn sich vergangene Erwerbsjahre nicht mehr verändern lassen, gibt es Möglichkeiten, die spätere Altersversorgung zu verbessern.
Ein wichtiger erster Schritt ist die Kontenklärung bei der Deutschen Rentenversicherung. Fehlende Versicherungszeiten können dadurch ergänzt werden. Je nach persönlicher Situation können außerdem freiwillige Rentenbeiträge oder Ausgleichszahlungen sinnvoll sein.
Auch eine betriebliche Altersversorgung oder eine private Vorsorge – beispielsweise über breit gestreute ETF-Sparpläne oder geförderte Vorsorgeprodukte – kann helfen, Versorgungslücken zu schließen.
Wer über die Regelaltersgrenze hinaus arbeitet oder den Rentenbeginn freiwillig verschiebt, profitiert zudem von Zuschlägen im Rahmen der Flexirente.
Grundrente kann niedrige Renten teilweise ausgleichen
Für langjährig Versicherte mit niedrigen Einkommen kommt außerdem die Grundrente infrage. Die Deutsche Rentenversicherung prüft automatisch, ob die Voraussetzungen erfüllt sind.
Voraussetzung sind mindestens 33 Jahre Grundrentenzeiten, für den vollen Zuschlag in der Regel 35 Jahre. Die Grundrente ersetzt allerdings keine private oder betriebliche Altersvorsorge, sondern soll lediglich niedrige gesetzliche Renten nach langen Versicherungszeiten aufstocken.
Rentenniveau bleibt vorerst stabil
Mit dem Rentenpaket 2025 wurde gesetzlich festgelegt, dass das Rentenniveau von mindestens 48 Prozent bis 2039 erhalten bleiben soll. Parallel baut der Bund das sogenannte Generationenkapital auf, um das Rentensystem langfristig zusätzlich zu finanzieren.
Gleichzeitig wird weiterhin über weitere Reformen diskutiert – unter anderem über eine mögliche Kopplung des Rentenalters an die steigende Lebenserwartung.
Nicht allein der Jahrgang entscheidet
Auch wenn bestimmte Generationen statistisch häufiger von niedrigen Renten betroffen sind, entscheidet am Ende nicht allein das Geburtsjahr über die spätere Altersversorgung.
Maßgeblich bleiben die persönlich erworbenen Entgeltpunkte, die Dauer der Erwerbstätigkeit und das individuelle Einkommen während des Berufslebens.
Wer frühzeitig seine Rentenansprüche prüft und zusätzliche Vorsorge aufbaut, kann das Risiko einer niedrigen gesetzlichen Rente deutlich verringern.

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