Neubau der Carolabrücke Dresden: Welche Kosten auf den Steuerzahler zukommen

Die Carolabrücke ist eine der wichtigsten Elbquerungen in Dresden. Sie wird von Autofahrern, Straßenbahnen, Fußgängern und Radverkehr gleichermaßen genutzt. Nach dem teilweisen Einsturz im September 2024 steht fest, dass ein Ersatzneubau her muss und das teuer wird.

02.01.2026, 21:34 Uhr, von (Finanzen)
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Während der Abriss der Carolabrücke schon deutlich mehr gekostet hat als ursprünglich kalkuliert, sind auch die Prognosen für den Neubau ambitioniert. Klar ist schon jetzt, dass die Hauptkostenträger die Steuerzahler der Landeshauptstadt sein werden.

Die historische und heutige Bedeutung der Carolabrücke

Die Lage der Elbquerung in der Stadt ist kein Zufall, schon bei der Gründung Dresdens im 12. Jahrhundert entstand die Siedlung an einer wichtigen Furt und späteren Brückenstelle über die Elbe. Die heutige Carolabrücke knüpft an die Funktion an und verbindet Alt- und Neustadt. Nebenbei entlastet sie andere Elbbrücken und ist ein wichtiges Bindeglied für den öffentlichen Nahverkehr. Ihr Ausfall zwingt zu weiten Umwegen und belastet die städtische Infrastruktur und vor allem Pendler.

Nachdem die Brücke quasi über Nacht zum Sicherheitsrisiko wurde, laufen Abriss- und Sicherungsarbeiten mit höchster Priorität, um die Schifffahrt auf der Elbe, aber auch den innerstädtischen Verkehr langfristig zu stabilisieren. Damit kommt man gut voran, doch die Kosten sind immens.

Abrisskosten sind teurer als geplant

Bereits der Rückbau der alten Carolabrücke zeigt, wie stark sich die Kosten nach oben entwickelt haben. Anfangs redete man von etwa 18 Millionen Euro für den Abriss, bezogen auf einen Vertrag für zwei der drei Brückenzüge. Inzwischen gehen die Stadtverwaltungen von voraussichtlich 32 Millionen Euro Gesamtkosten aus. Damit doppelt sich die ursprüngliche Annahme.

Die Summe umfasst nicht nur das eigentliche Abtragen der Brücke, sondern auch zusätzliche Posten wie Sicherungsmaßnahmen und die Verkehrsführung während der Arbeiten. Für eine Kommune mit ohnehin angespanntem Haushalt ist das ein Warnsignal. Wenn schon die Beseitigung der alten Brücke so viele Gelder verschlingt, wird es am Ende überall fehlen. Die erhofften Hilfen des Bundes bleiben aus.

Neubaukosten und Finanzierungslücken für Sachsens Hauptstadt

Noch schwerer wiegen die Kosten für den neuen Übergang über die Elbe. Die Stadt Dresden veranschlagt für den Ersatzneubau der Carolabrücke aktuell mindestens 140 Millionen Euro. Hinzu kommen rund 15 Millionen Euro für eine neue Fernwärmeleitung der SachsenEnergie, die im Zuge der Baumaßnahmen verlegt bzw. erneuert werden muss. Damit bewegt sich das Projekt schon im Bereich von rund 155 Millionen Euro, ohne einen weiteren Puffer für Preissteigerungen oder unvorhergesehene Probleme.

Besonders brisant ist auch hier die Klarstellung des Bundes, dass sie sich an den Kosten nicht beteiligen werden. Das Bundesverkehrsministerium begründet die Ablehnung damit, dass Bundesstraßen in Städten mit mehr als 80.000 Einwohnern in die Verantwortung der Kommune fallen. Damit bleibt die Landeshauptstadt mit der Finanzierung praktisch allein.

Kredite und langfristige Belastung für den Haushalt

Um Abriss und Neubau der Carolabrücke und weitere Infrastrukturprojekte stemmen zu können, will Oberbürgermeister Dirk Hilbert neue Schulen in Höhe von bis zu 220 Millionen Euro aufnehmen. Die Kredite sollen voraussichtlich ab 2027 fließen und nicht nur die neue Elbquerung, sondern auch andere Verkehrsprojekte wie den Ausbau der Straßenlinie 8 und die Sanierung der Königsbrücker Straße mitfinanzieren.

Für den Steuerzahler bedeutet das eine langfristige Belastung. Die Kredite müssen inklusive der Zinsen über viele Jahre aus dem städtischen Haushalt bedient werden. Spielräume für andere Investitionen im Bildungswesen oder in der sozialen Infrastruktur werden dadurch enger. Politisch diskutiert man bereits, ob die Schuldenbremse der Stadt gelockert werden muss, um die Summen rechtssicher aufnehmen zu können.

aktualisiert: 02.01.2026, 21:34 Uhr
Autor: Daniel Herndler
Chef-Redakteur | Finanzen, Steuern, Wirtschaft, Arbeitnehmer
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