Bis zu 13.000 Euro Nachzahlung: Viele Beamte sollen deutlich mehr Geld erhalten
Nach einem Urteil neuen Urteil des Bundesverfassungsgerichts könnten viele Beamte von Bund und Ländern nun deutlich mehr Geld erhalten - auch hohe Nachzahlungen sind möglich. Alle Details findet man hier auf Finanz.de.
Zehntausende Beamte und Pensionäre in Schleswig-Holstein können mit einer erheblichen Nachzahlung bei der Besoldung rechnen. Nach Angaben aus dem Finanzministerium könnten einzelne Staatsbedienstete mehrere tausend Euro zusätzlich erhalten. In Einzelfällen sind sogar Nachzahlungen von mehr als 13.000 Euro möglich.
Hintergrund ist eine geplante Anpassung der Beamtenbesoldung, die Finanzministerin Silke Schneider im Finanzausschuss des Landtags vorgestellt hat. Wie berichtet wird, sollen Beamte je nach Besoldungsgruppe zwischen etwa 3.000 Euro und über 13.000 Euro brutto nachgezahlt bekommen. Insgesamt wären allein in Schleswig-Holstein mehr als 90.000 Beamte und Versorgungsempfänger betroffen.
Verfassungsgericht zwingt Länder zum Handeln
Auslöser der Nachzahlungen sind Vorgaben des Bundesverfassungsgericht. Das Gericht hatte bereits 2020 entschieden, dass die Bezüge von Beamten eine sogenannte „amtsangemessene Alimentation“ gewährleisten müssen. Die Besoldung darf demnach nicht deutlich hinter der allgemeinen Einkommensentwicklung zurückbleiben.
Zudem hat das Gericht eine konkrete Untergrenze festgelegt: Die Mindestbesoldung muss mindestens 80 Prozent des mittleren Einkommens vergleichbarer Arbeitnehmer erreichen. Wird diese Schwelle unterschritten, sind Bund und Länder verpflichtet, ihre Besoldungssysteme anzupassen.
Höhere Bezüge lösen Kettenreaktion aus
Eine Besonderheit im Beamtenrecht ist das sogenannte Abstandsgebot. Wird die Besoldung in den unteren Gruppen erhöht, müssen auch höhere Besoldungsstufen entsprechend angepasst werden, damit die Abstände zwischen den Besoldungsgruppen erhalten bleiben. Dadurch steigen die Gesamtkosten für den Staat deutlich.
Für Schleswig-Holstein wird der finanzielle Aufwand derzeit auf rund 460 Millionen Euro geschätzt.
Wer besonders profitieren könnte
Nach ersten Berechnungen könnten Beamte in niedrigeren Besoldungsgruppen – etwa im Polizeidienst oder im Justizvollzug – Nachzahlungen von rund 3.000 Euro erhalten. In höheren Besoldungsgruppen fällt der Betrag deutlich größer aus.
Spitzenbeamte in der sogenannten B-Besoldung könnten laut Schätzungen mehr als 13.000 Euro zusätzlich erhalten. Minister hätten sogar Anspruch auf noch höhere Nachzahlungen, wollen darauf jedoch aus politischen Gründen verzichten.
Wie hoch der individuelle Betrag ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem Erfahrungsstufen, Familienzuschläge oder die jeweilige Besoldungsgruppe.
Weitere Gehaltserhöhungen geplant
Neben der einmaligen Nachzahlung ist auch eine strukturelle Anpassung der Besoldung vorgesehen. Für 2025 wird eine Erhöhung um etwa 3,2 Prozent geplant, mindestens jedoch rund 125 Euro monatlich. In höheren Besoldungsgruppen könnte das Plus sogar bis zu fünf Prozent betragen.
Ab Januar 2026 soll die dann erhöhte Besoldung noch einmal um bis zu vier Prozent steigen.
Debatte über Kosten im öffentlichen Haushalt
Die geplanten Anpassungen fallen in eine Zeit wachsender Staatsausgaben. Deutschland hat rund 1,4 Millionen Pensionäre, für die der Staat inzwischen fast so viel Geld aufwendet wie für rund 20 Millionen Rentner. Die jährlichen Pensionsausgaben liegen derzeit bei etwa 90 Milliarden Euro – mit steigender Tendenz.
Auch politisch sorgt die Anpassung daher für Diskussionen. Kritiker warnen vor zusätzlichen Belastungen für die Haushalte der Länder. Befürworter argumentieren hingegen, der Staat müsse eine verfassungskonforme Besoldung sicherstellen, wenn er einen funktionierenden öffentlichen Dienst erhalten wolle.
Parallel arbeitet auch die Bundesregierung an einer Reform der Beamtenbesoldung. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll nach Angaben aus dem Innenministerium in naher Zukunft vorgelegt werden.

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