Merkonti - Bekommt Europa ein neues Führungstrio?
Eintrag vom: 26.11.2011
Kanzlerin Angela Merkel und der fränzosische Präsident sind nicht nur die Regierungschefs bzw. Staatsoberhäupter der beiden größten Volkswirtschaften der Euro-Zone, sondern - trotz Differenzen bei Details - auch die unangefochtenen Wortführer in der aktuellen Schuldenkrise. Das brachte dem Duo bereits den Spitznamen "Merkozy" ein.
Aus diesem Duo könnte nun aber ein Trio werden. Heute morgen (24. November) fand das erste Meeting mit anschließender Pressekonferenz zwischen Merkel, Sarkozy und dem neuen italienischen Regierungschef Mario Monti statt. Viele Journalisten und Volkswirte fragen sich nun, ob Monti sich Merkel und Sarkozy anschließen wird: schnell machte der neue Spitzname "Merkonti" die Runde.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Silvio Berlusconi hat Monti tatsächlich das Potential, sich durch eine disziplinierte Führung Italiens gewinnbringend einzubringen. Nicht nur ist Monti studierter Volkswirt (Berlusconi war Jurist), er hat durch seine Arbeit als Wettbewerbskommissar der Europäischen Union auch bereits deutlich gezeigt, daß er eine harte Linie fahren kann. In dieser Funktion verhinderte er nicht nur die Fusion von General Electric und Honeywell, sondern weichte auch erfolgreich Microsofts Monopolstellung auf. Die italienische Presse gab ihm dafür den Spitznamen "Super Mario". Nun ist Monti nicht nur Regierungschef der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone, sondern auch des Landes, dessen Kollaps die Krise in Griechenland bei weitem in den Schatten stellen würde. Montis Politik wird daher nicht nur für Italien, sondern für die gesamte Euro-Zone maßgeblich sein.
Monti könnte jedoch auch das fragile Gleichgewicht zwischen Deutschland und Frankreich durcheinanderbringen. Auf den ersten Blick scheint er Merkels harte Linie zu Eurobonds und weiteren Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank zu teilen. Zumindest bezeichnete er beide Mittel auf der morgendlichen Pressekonferenz als momentan unangemessen.
Genau betrachtet kann Monti hier allerdings mit Merkel, die bisher keine großen Vorstöße gemacht hat, die Krise in der Euro-Peripherie (und dazu gehört auch Italien) zu stemmen, nicht einer Meinung sein. Daher relativierte er seine Aussage auch dergestalt, daß Eurobonds dann eine Lösung sein könnten, wenn die Integration Europas auf fiskalischer Ebene weiter vorangeschritten sei. Merkels Antwort soll recht angeheizt gewesen sein - vielleicht hat also eher Sarkozy einen neuen Verbündeten.
Insgesamt ist Montis Amtszeit bisher aber noch zu kurz, als daß man ein definitives Urteil über seine Linie ziehen könnte. In welche Richtung er das Zünglein an der Waage aber auch bewegen wird - für das zarte Machtgleichgewicht innerhalb der Euro-Zone wird das entscheidend sein.



