In Deutschland ist jeder sechste Bürger von Armut betroffen
Eintrag vom: 04.11.2011
Krankheiten als hauptsächlicher Schuldenauslöser
Das Statistische Bundesamt schlägt Alarm, denn nach ihren Angaben sei in Deutschland mittlerweile jeder sechst Bürger von der Armut betroffen. Zwar habe sich die Schuldnerquote in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr verbessert, doch sei die Lage gerade für stark Verschuldete schlimmer denn je. Nach Auskunftei Creditreform, die jedes Jahr im Herbst die Schuldnerquote misst, liege das Schuldnerniveau in diesem Jahr bei 9,38 Prozent. Im Jahr 2010 betrug die Schuldnerquote noch 9,50 Prozent. Der leichte Abstieg sei der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt zu verdanken. Dennoch belaufe sich die Zahl der Schuldner in Deutschland, die ihre Verbindlichkeiten nicht bedienen können, auf etwa 6,5 Millionen Menschen. Grund dafür seien nicht zuletzt die Arbeitsmarktsituation sowie Krankheiten. Besonders letztere sorgten in der Bundesrepublik immer stärker für Verschuldungen in. Laut Creditreform seien sie mittlerweile zum Hauptauslöser geworden, da ihnen jeder zehnte Verschuldete zum Opfer falle.
Vom Aufschwung profitieren nur die leicht Verschuldeten
Die Verschuldungssituation ist prekär, denn zu Leidtragenden werden ausschließlich stark Verschuldete. Sie kommen aus dem Teufelskreis nicht mehr heraus. Wenn die Lage auf dem Arbeitsmarkt günstig ist, dann profitieren von ihr lediglich die leicht Verschuldeten. Diejenigen, die der sogenannten Sockelverschuldung verhaftet sind, geraten in den Sog der Schuldenspirale. Die Zahl dieser Gruppe hat sich mittlerweile um 60 Prozent erhöht, womit die Schuldenkrise in Deutschland an Dramatik gewinnt. Rund 3,7 Millionen Menschen sind nachhaltig von ihr betroffen und wissen nicht, wie sie sich aus dieser Situation retten können. Manche Experten fragen sich daher, ob die Verschuldung vererbt werde. Wenn dies der Fall ist, dann ist das kein gutes Omen, weil eine Befreiung als schier unmöglich erscheint.
Jugendliche am stärksten von Überschuldung betroffen
Am härtesten trifft die Überschuldung die Jugendlichen, deren Zahl in den letzten Jahren rapide und steil gestiegen ist. Nach Angaben der Creditreform seien die meisten der Überschuldeten nicht älter als 30. Seit 2004 habe sich die Situation der 20- bis 30-Jährigen zugespitzt. Der Anstieg dieser Schuldnergruppe beläuft sich auf insgesamt 46 Prozent. Noch viel dramatischer fällt das Ergebnis bei der Gruppe der unter 20-Jährigen aus. Diese sei im Laufe der letzten sieben Jahre um rund 358 Prozent gewachsen. Betroffen seien aber auch ältere Menschen, die bereits das 70. Lebensjahr erreicht haben. Hier ist wird das Wachstum der Verschuldeten auf mittlerweile auf 42 Prozent beziffert, womit ebenfalls ein Anstieg zu verzeichnen ist. Im Vergleich zum Vorjahr liegt dieser bei 6 Prozent. Grund dafür seien höhere Kostenanforderungen für Pflegedienstleistungen als auch die Altersarmut.



