Warum 2012 das Jahr des Dollars wird
Eintrag vom: 29.11.2011
Totgesagte leben länger. Nachdem das Szenario eines Dollar-Kollaps und damit das Ende des Greenbacks als internationale Leit- und Reservewährung bereits mehrfach vorausgesagt und durchgespielt wurde, dreht die Investmentbank Morgan Stanley diese Prognose nun zumindest kurzfristig um 180 Grad. 2012 werde das "Jahr des Dollars" werden, heißt es dort in einem gestern (28. November) veröffentlichtem Report.
Als Gründe werden die europäische Schuldenkrise und negative Währungsrisiken in den Emerging Markets genannt. Die Vereinigten Staaten seien in diesem Strom des Schuldenabbaus der "beste sichere Hafen" und würden dies auch bleiben. Wörtlich heißt es in der Note:
"Auch ein Umfeld der Schuldenreduktion sollte den Dollar stärken. Unserer Ansicht nach werden nicht nur die Bilanzsummen europäischer Banken weiterhin schrumpfen - dies wird weltweit geschehen, da Regulatoren immer höhere Eigenkapitalquoten fordern. Auch wenn alle sicheren Häfen von diesem Szenario der Schuldenreduktion profitieren werden, liegt der besondere Vorteil des Dollar darin, daß [die USA] der einzige G-10-Geldgeber sind, bei dem die Politik sich nicht gegen eine Aufwertung [der eigenen Währung] stemmt."
Diese Position sei auch im Angesichte einer wahrscheinlichen dritten Runde der quantitativen Lockerung (Quantitative Easing, QE) durch die Federal Reserve haltbar. Im Report heißt es dazu weiterhin, daß die erste Runde, QE1, bereits einen größeren deflationären Effekt auf den Dollar gehabt habe als das Nachfolgeprogramm QE2, folglich QE3 einen nochmals geringeren Effekt als QE2 haben werde.
Historisch betrachtet entwickelt sich der Dollar oft gegenläufig zur Weltkonjunktur, auch lassen sich viele Parallelen zwischen der aktuellen europäischen Schuldenkrisen und den Krisen Lateinamerikas in den 80ern und Asiens in den 90ern finden. In beiden Fällen wertete der Dollar merklich auf.
Ebenfalls in beiden Fällen hatte die übermäßige Hebelung in Unternehmen eine starke Korrektur erfahren, Aktien brachen ein und der Dollar stieg. Der Report führt weiterhin aus, wie die Banken mit den resultierenden Verlusten umgegangen sind. Die Analogie hat aber einen Haken. Ein Blick auf einen Chart, der im Zuge einer Note vom US-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Joe LaVorgna, veröffentlicht wurde, zeigt, daß die Fremdkapitalquote von US-Banken momentan im historischen Vergleich sehr niedrig ist und im Zuge der Finanzkrise deutlich abgenommen hat. Gleiches läßt sich aber nicht auf die lateinamerikanische bzw. asiatische Schuldenkrise beziehen.
Dennoch erwarten die Analysten von Morgan Stanley ein neues Dollar-Hoch im vierten Quartal 2012, bevor der Wert des Greenback im Zuge der sich erholenden Weltkonjunktur 2013 wieder sinken wird.



