Umgehen europäische Banken neue Regulationen durch sog. "Branching?"
Eintrag vom: 06.12.2011
Einige europäische Banken eröffnen eine Reihe von neuen Zweigniederlassungen - aber diese Form des Wachstums könnte äußert ungesund sein.
Sog. "Branching" - ein Begriff, der bislang noch keine deutsche Entsprechung hat - bezeichnet das Umwandeln ausländischer Tochtergesellschaften in Zweigniederlassungen des Mutterkonzerns. Einige europäische Banken, darunter die Deutsche Bank, haben die Praxis laut Wall Street Journal wieder aufgegriffen, um neue regionale Regulationsvorschriften zu umgehen.
Diese Strategie ist nicht neu. Die Deutsche Bank und auch Barclays nutzen sie bereits auf dem Höhepunkt der Finanzkrise von 2008, um den Regulatoren zu umgehen - nun erlebt dieses Vorgehen eine Renaissance, da europäische Politiker im Zuge der Schuldenkrise eine massive und in vielen Fällen nicht freiwillige Rettung der Institute vorbereiten, die Schuldtitel der Krisenstaaten halten. Besonders die Deutsche Bank hatte sich immer gegen diese Zwangskapitalisierung gestemmt: aus Sorge, das Vertrauen der Finanzmärkte dadurch zu verlieren.
Schätzungen zufolge hält die Deutsche Bank mehr als €7.5 Mrd. an Anleihen aus Krisenstaaten, darunter griechische und italienische Papiere.
Die Umwandlung von Tochtergesellschaften in Zweigniederlassungen ist nun nicht unbedingt eine schlechte Sache. In erster Linie ermöglicht sie den Instituten dadurch, Kapital frei zwischen verschiedenen Regionen zu bewegen. Das kann sehr nützlich sein, wenn z.B. eine Zweigstelle in einem Krisenstaat kurzfristig zusätzliche Mittel benötigt.
Diese Praxis macht es aber auch wesentlich schwerer für Regulatoren, lokale Praktiken im Bankensektor zu überwachen. Zudem macht "Branching" es schwer, ein Institut in der Krise richtig zu "zerlegen", also das Kapital korrekt zuzuordnen.
Auf dem kommenden EU-Gipfel wird "Branching" wahrscheinlich nicht im Mittelpunkt stehen - schädlich ist es dennoch.



