ThyssenKrupp stellt Geschäftszahlen bereits heute vor


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von Fabian Biastoch

Eintrag vom: 02.12.2011

Der Stahl- und Industriegüterkonzern ThyssenKrupp zieht die Vorstellung seines Jahresabschlusses 2010/11 überraschend vor. Der Vorstand wolle die Zahlen schon am (heutigen) Freitag um 14 Uhr nach einer Aufsichtsratssitzung vorlegen, wie das Unternehmen am Morgen mitteilte.

Ursprünglich war die Bekanntgabe erst für Dienstag (6.12.) geplant. Zu den genauen Hintergründen machte der Konzern zunächst keine Angaben. "Wir wollen die Öffentlichkeit zeitnah über aktuelle Beschlüsse des Aufsichtsrats informieren", sagte ein Konzernsprecher auf Anfrage.

Medien berichteten am Freitag, dass der für die Stahlwerke in Brasilien und den USA zuständige Bereichsvorstand Hans Fischer vor dem Aus stehe. Der Manager bekomme die Probleme vor allem in Brasilien nicht in den Griff, schrieb das Handelsblatt (Freitag). Die Financial Times Deutschland berichtete, dass Fischer eine neue Aufgabe in einem anderen Unternehmen übernehmen wolle. Dagegen soll der Vertrag von Stahl-Konzernvorstand Edwin Eichler um fünf Jahre verlängert werden, schrieb die FTD.

Vor allem bei Arbeitnehmervertretern wächst der Zeitung zufolge der Unmut über die ungelösten Probleme bei den neuen Stahlwerken. So liefen etwa noch immer nicht alle Teile der Kokerei in Brasilien, was laut Insidern hohe Folgekosten für den Zukauf von Strom, Dampf oder Gas mit sich bringt. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Konzern im Gesamtjahr mehr als eine Milliarde Euro operativen Verlust mit den Fabriken in Brasilien und Alabama gemacht hat. Gerechnet hatte der Vorstand bislang mit einem Betrag im oberen dreistelligen Millionen-Bereich. Bereits beim Bau waren die Kosten auf letztlich rund zehn Milliarden Euro angeschwollen. Dies ließ die Verschuldung des Konzerns auf zuletzt gut sechs Milliarden Euro steigen.

Die hohen Verbindlichkeiten sind der größte Hemmschuh für den neuen Vorstandschef Heinrich Hiesinger geplanten Konzernumbau. Er will bei ThyssenKrupp vor allem die Technologiesparte ausbauen und im Gegenzug Geschäftsteile mit rund einem Viertel des Gesamtumsatzes verkaufen. Dickster Brocken dabei ist die Edelstahlsparte mit rund 11 000 Beschäftigten. Im Mai gab sich Hiesinger für die Verkäufe 12 bis 18 Monate Zeit. Etwas Luft verschaffte sich der Konzern durch den Verkauf eigener Aktien, der im Juli - vor dem Absturz der Börsen - rund 1,6 Milliarden Euro in die Kassen gespült hatte.

Offen ist vor allem, wie ThyssenKrupp die geplante Trennung vom Edelstahl vollziehen will. Angesichts der großen Überkapazitäten in der Branche gilt ein Verkauf als schwierig. Die aktuellen Turbulenzen an den Kapitalmärkten dürften zudem einen Börsengang unmöglich machen. Zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, der Konzern könne sich womöglich mit der Entscheidung noch länger Zeit lassen. Spekuliert wurde auch, dass sich ein Finanzinvestor für den italienischen Teil der Edelstahlsparte interessieren könnte. Ein Sprecher betonte am Freitag erneut, dass sich der Konzern weiter alle Optionen für den Bereich offenhalte.

Beim Umsatz dürfte ThyssenKrupp nach Analysteneinschätzung seine Prognose schaffen, die Erlöse im Geschäftsjahr 2010/2011 (30. September) um 14 Prozent auf 48,6 Milliarden Euro zu steigern. Experten rechnen unter dem Strich mit einem Gewinnzuwachs von knapp 9 Prozent auf rund 900 Millionen Euro.

 

(dpa)

 

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