Ihr digitales Leben ist 20.000 Euro wert. Und in Gefahr.


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von Mia Kirschner

Eintrag vom: 29.09.2011

Es ist leicht, zu vergessen, dass das zigarettenschachtelgroße Gerät in Ihrer Tasche tatsächlich ein Computer ist, der mehr kann als jener, den Apollo 11 zum Mond geflogen hat. Smartphones beherbergen ebenso wie Tablet-PCs, E-Reader und Laptops einige unserer wichtigsten und persönlichsten Güter: Fotos und Videos von unseren Liebsten, Lieder, Bücher, Filme, sensible Informationen über unsere Arbeit und unsere Finanzen, Bankkonten, eMail-Accounts, Kredite.

Laut einer Untersuchung von Sicherheitssoftware Firma Mc Afee ist ihr digitales Leben ca. 20.000 Euro wert. Dazu kommen die virtuellen Profile, die wir selbst angelegt haben, und die, die von uns anhand unserer Bewegungen im digitalen Raum erstellt werden. Das alles ist eine Menge wert – nicht umsonst hat der z. B. der Holtzbrink-Verlag im Jahr 2007 das soziale Netzwerk StudiVZ für die unglaubliche Summe von 85 Millionen Euro gekauft.

Dieser Wert steigert sich natürlich, je mehr die digitalen Konsumenten (die im Web 2.0 Rezipienten und Produzenten in einem sind) ihr Leben ins Netz verlagern, durch Suchanfragen, Einkäufe, Blogeinträge, Kommentare usw. Und je höher dieser Wert, desto mehr haben die Nutzer auch zu verlieren, sowohl in persönlichen wie auch in materiellen Belangen, sei es durch Hackerangriffe oder Datensammlungen durch Unternehmen.

Unsere digitalen Zugehörigkeiten mit ihrem hohen emotionalen und finanziellen Wert verteilen sich oft auf mehrere Geräte, zum Beispiel ein Telefon, einen Tablet-PC und ein Musikabspielgerät. Ein Viertel der globalen Internetnutzer besitzt nach eigenen Angaben mindestens fünf verschiedene solcher Geräte in ihrem Haushalt; 60% verfügen über mindestens drei. Dies ergab eine Studie, die mehr als 3000 Internetnutzer in 10 Ländern befragte. Die Teilnehmer haben im Durchschnitt auf mindestens einem Gerät 2.777 digitale Dateien gespeichert.

Ein Problem, das sich proportional zum Anstieg der Popularität von Smartphones und Tablets verhält, ist die Sicherheit: Die Benutzer behandeln ihre transportablen Geräte in dieser Hinsicht schlechter als ihre Computer, obwohl sie viel anfälliger für Sicherheitslücken sind. Der Grund dafür liegt eben in der Mobilität, sie sind an mehr Orten mit einer viel größeren Anzahl von Netzwerken verbunden. Mit den hunderten und tausenden von verfügbaren Apps eröffnet die Vielzahl von Angeboten auch Einfallstore für schädliche Software. Der zunehmende Trend der Bezahlung über elektronische Kommunikationsmittel und des Onlinebanking fügt der Verletzlichkeit noch eine weitere Ebene hinzu.

Die Bedrohungen des digitalen Lebens, das ja aus Informationen besteht, sind vielgestaltig. Schon in rein physischer Hinsicht bedeutet die Beschädigung bzw. Zerstörung eines Gerätes einen Verlust, der seinen rein materiellen Wert weit übersteigt. Der Verlust durch Verlieren oder Diebstahl birgt zusätzlich die immer noch unterschätzte Gefahr des Identitätsdiebstahls. Eine schwer wiegende und stetig zunehmende Bedrohung ist eine unsichtbare: Die sogenannte Malware. Unter diesem Begriff summieren sich Viren, Würmer, Trojanische Pferde, Spionagesoftware, Adware (startet ohne Nachfrage und Nutzen für den Anwender Funktionen, die der Marktforschung und Werbung dienen), Scareware (verunsichert den Benutzer und verleitet ihn, schädliche Software zu installieren oder für ein unnützes Produkt zu bezahlen) und weitere. Diese sind z.B. in harmlos scheinende Apps implementiert und können von dem Hacker benutzt werden, um etwa Daten zu klauen und zu verkaufen und ihm Zugang zu Benutzerkonten zu verschaffen. Pro Monat werden ungefähr 2 Millionen (!) neue Malware-Programme entdeckt; die Serie von „Pannen“ in der Sicherheit von Kundendaten bei Unternehmen wie der Telekom reißt nicht ab. Selbst das Verteidigungsministerium ist nicht sicher.

Auch wenn man keinen persönlichen Schaden bemerkt, kann man durch Malware Teil von Cyberkriminalität werden. Jüngst wurden 400 deutsche Unternehmen und öffentliche Institutionen attackiert, indem sie derart mit Anfragen überschüttet wurden, dass entweder die Computer zusammenbrachen oder zumindest die Erreichbarkeit über das Internet verhindert wurde. Einige Firmen sprachen von Umsatzeinbußen in Millionenhöhe. Was Sie damit zu haben? Die neue Angriffswelle funktioniert über ein sogenanntes Botnetz, bei dem die Rechner anderer Menschen in großer Zahl infiltriert werden, um von dort aus Datenpakete und Anfragen an das gewünschte Ziel zu schicken. Es wird vermutet, dass die dafür zuständigen Schadprogramme über Soziale Netzwerke verschickt wurden. Seitdem Android-Geräte den Markt erobern, erhöht sich auch die Menge der auf dieses Betriebssystem ausgelegten Schadensprogramme: In den letzten hundert Tagen stieg der Anteil an Android-Malware auf 76%. Geräte mit diesem Betriebssystem sind also derzeit einem besonders hohen Risiko ausgesetzt.

Sich zu schützen, ist eigentlich gar nicht so schwer – man muss es nur tun. Stichwort Datensparsamkeit: Geben Sie nicht immer und überall Ihre Daten preis. Wenn Sie sich irgendwo einloggen, loggen Sie sich auch wieder aus. Nutzen Sie das Vorhandene: Firewalls und sichere WLAN-Verbindungen. Es gibt außerdem diverse kostenlose AntiViren-, Anonymisierungs- und Verschlüsselungsprogramme, für jedes Gerät werden eigene Programme entwickelt, sogar ein Datenschutz-App für das iPhone. Und schließlich: Hier geht es Informationen. Also informieren Sie sich, und Sie werden für Ihre Geräte ein passendes Sicherheitskonzept finden.

 

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