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Bildquelle: freedigitalphotos.net / Ambro

Wie man richtig für den Ruhestand vorsorgt: Lernen von Herrn Wehnecke


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von Mia Kirschner

Eintrag vom: 10.09.2011

Endlich nicht mehr arbeiten: Die Vorstellung, der Ruhestand brächte Frieden und Ruhe auch in finanzieller Hinsicht, ist sehr verbreitet. Doch um seine goldenen Jahre genießen zu können, muss man gut planen und auch für Unvorhergesehenes gerüstet sein.

Herrmann Wehnecke ist vor fünfzehn Jahren in den Ruhestand getreten. Er hat ein Leben lang gespart, jeden Schritt sorgfältig geplant und sich kurzfristige Vergnügen versagt für das langfristige Ziel: Finanzielle Unabhängigkeit und Freiheit. Doch während die Jahre des Arbeitens und Sparens nun Vergangenheit sind, bleiben finanzielle Verpflichtungen präsent.

Viele Ruheständler machen die Erfahrung, nicht vor Geldsorgen im Alter geschützt zu sein, selbst wenn man eigentlich genügend Geld gespart hat, um komfortabel leben zu können. Tatsächlich kann der Ruhestand sogar von erheblichen Finanzproblemen begleitet sein, wenn man nicht entsprechend vorgesorgt hat. Gerade die Babyboom-Generation ist davon betroffen, unter Umständen ihren erwachsenen Kindern aus finanziellen Schwierigkeiten helfen zu müssen, die ihre eigenen Reserven für das Alter aufzuzehren drohen.

Herrn Wehneckes Sohn zum Beispiel verlor vor einigen Jahren seine Anstellung in der Fertigungsindustrie. Seitdem ist es ihm nicht gelungen, eine ähnliche Arbeitsstelle mit gleicher Bezahlung und gleichen Vorteilen zu finden. Daher greift Herr Wehnecke ihm in finanziellen Belangen unter die Arme – diese beinhalten die Unterstützung einer autistischen Enkelin. Außerdem bezahlt er auch die Pflege seiner 97-jährigen Mutter, die in betreutem Wohnen lebt. „Das war nicht unbedingt im Plan für meinen Ruhestand drin. Aber ich bestreite das aus meiner ‚Vorsorge für Unvorhergesehenes’“, sagt der Rentner.

Auch der beste Plan ist nur eine Theorie

Sich an einen perfekten Plan zu halten ist nur so lange leicht, wie das Leben nicht dazwischen funkt. Herr Wehnecke, der sich selbst als „kühlen Kopf“ beschreibt, schafft es besser als die meisten, sich von monetären Akzidenzien nicht den Boden unter den Füßen wegziehen zu lassen. Der 73-Jährige sagt, seine genügsame und umsichtige Wesensart habe ihm eine flexible finanzielle Planung erlaubt, die ihm den Ruhestand zum vorgesehenen Zeitpunkt ermöglichte - trotz des Todes seiner Frau, Gehaltskürzungen, Arbeitsplatzverlust und seiner Unterstützung anderer.

Sein Rezept ist, sich all der Kalamitäten des Lebens bewusst zu sein: „Es gibt so viele Unwägbarkeiten, unvorhergesehene Wendungen im Leben, die deinen Plan für den Ruhestand durcheinander bringen. Du kannst deinen Job verlieren oder deine Frau oder beides, du kannst ein Kind bekommen, krank werden, dich scheiden lassen, verklagt werden, schlecht versichert sein; dein Haus kann abrennen, du kannst versetzt werden und musst umziehen; es gibt Immobilienblasen, es gibt Rezessionen, Inflationen, Stagflationen und so weiter. Man kann natürlich nicht für alles vorsorgen, man muss sich das nur behalten, dass es diese Möglichkeiten gibt.“

Die fünf Säulen des Herrn W.

Herrn Wehneckes Sparpraktiken mögen etwas extrem wirken (er verkaufte Eier und Gemüse aus seinem Garten an seine eigene Familie - aber zum Vorzugspreis). Für ihn bedeutete Arbeit immer das Mittel zu dem Zweck, irgendwann Ruhe zu haben. Er machte dazu einen Plan, wie er schrittweise bei allem das Meiste rausholen könnte. Seine Strategie basiert auf fünf Leitsätzen – Richtlinien, die jedem auf dem Weg zu einem echten Ruhestand helfen können.

1. Investiere in dich selbst

„Die Entscheidung, mich selbst als Ersten zu bezahlen, war die beste Investitionsentscheidung, die ich je getroffen habe“, sagt Herr W. „Weil ich so nämlich gewissermaßen Wohlstand anhäufe anstatt bloß Dinge.“ So ähnlich wie ein Athlet unzählige Stunden im Fitnessstudio verbringt, investierte er in sich selbst: Ein Teil eines jeden Gehaltsschecks wanderte direkt in seine Rente, und zwar unabhängig von der Höhe. „Auch wenn ich im Monat nur dreihundertzwanzig Mark gemacht hab, hab ich gleich fünfzig Mark beiseite gelegt“, erinnert er sich.

Damit lag er richtig: Studien haben ergeben, dass solcherart Sparende den Stand ihres Rentenkontos innerhalb von zehn Jahren verdreifachen konnten, selbst während der schlechten Marktlage 2008 und Anfang 2009.

2. Lebe unterhalb deiner Möglichkeiten, wann immer du kannst

In einer kreditgetriebenen Gesellschaft ist es viel zu leicht, über seine Verhältnisse zu leben und Schulden anzuhäufen. Der Finanzkollaps 2008 wurde, wir erinnern uns, maßgeblich befördert durch Leute, die mit mehr Geld gehandelt haben, als sie eigentlich zur Verfügung hatten.

Wehnecke machte es sich zum Prinzip, ein gutes Leben innerhalb seiner Möglichkeiten zu führen: „Ich habe mich dagegen gewehrt, unseren Lebensstandard durch ein teureres Auto oder Haus zu heben, und immer nur schrittweise alte Möbel ersetzt. Wir hatten auch manchmal einen sehr kreativen Essensplan, wenn wir den Einkauf von Lebensmitteln verschieben mussten. Aber wir haben uns nie benachteiligt gefühlt. Das war ja auch alles vor dem Internet, Kabelfernsehen, Handys, Computern, GPS und dem ganzen Kram, ohne den man heute anscheinend nicht mehr leben kann.“

Das Vermeiden von Schulden hat die Finanzen seiner Familie im Gleichgewicht gehalten. Nach der Geburt seines Sohnes zum Beispiel stand für eine Weile nur noch die Hälfte des Einkommens zur Verfügung. Wehnecke konnte einen Teil der Einbußen auffangen, indem er Abendunterricht im Gefängnis gab. „Es ist schon erstaunlich, wie man so was ausgleichen kann, wenn man keine Schulden hat“, meint er.

3. Plane das Unerwartete und erwarte das Ungeplante

Nach diesem Motto legte Herr Wehnecke einen Notfallfonds an – der ihm gute Dienste leistete, als er mit Pankreaskarzinom diagnostiziert wurde. Immer noch hilft ihm das dort Angesparte, für seine Mutter zu sorgen: „Mein Vater hat ihr nicht viel hinterlassen, und sie musste mit einer geringen Rente und Sozialhilfe auskommen. Das hat kaum ihre Ausgaben decken können. Wir zahlen jetzt immer mehr, je mehr ihre Rücklagen sich aufbrauchen. Wenn ihr Geld alle ist, bin ich vorbereitet, das aufzufangen.“

4. Sei ein Investor, kein Spieler

Investment war für Wehnecke ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. „Ich habe Inflation gesehen und Rezession und ‚Stagflation’, aber ich habe immer weiter nach Möglichkeiten geguckt, meine Gehaltserhöhungen zu investieren. Ich habe von Zeit zu Zeit Profit gemacht und manchmal auch Verluste, aber ich habe weitergemacht, anstatt mir Spielzeug zu kaufen.“ Wehnecke musste auf die harte Tour lernen, nicht blindlings „heißen Tipps“ zu folgen. Wie so viele andere auch verlor er einen Teil seines Geldes, indem er auf Anraten von Freunden im dotcom-Hype in ein vermeintliches sicheres Geschäft investierte – kurz bevor die Blase platzte. Er ist noch gut davongekommen im Vergleich zu einem seiner Freunde, der trotz eindringlicher Gegenappelle sein ganzes Geld eine Aktie investierte: „Der musste mit 70 Jahren wieder anfangen zu arbeiten“, erinnert er sich.

5. Hör nicht auf zu lernen

Während es keine für alle gültige Anlagestrategie gibt, sollte doch jeder Investor eines besitzen: Wissen. Viele Menschen haben ihre Ersparnisse den Bach runterrauschen sehen, weil sie sich vor der Beteiligung nicht informiert haben. Die beste Methode ist wohl, in etwas zu investieren, das man versteht. Laut Wehnecke noch wichtiger ist es, die Kurse, die Risiken und vor allem die Kosten zu kennen, die jede einzelne Investition ausmachen.

„Studiere das Investmentgeschäft so gut wie möglich, so dass du dich selbst um Dinge kümmern kannst, für die du sonst andere Leute bezahlen müsstest“, empfiehlt Wehnecke. Honorare und Gebühren zu vermeiden ist für ihn eine der wichtigsten Maßnahmen, sein Erspartes zu erhalten. „Alles, was davon abgeht, verringert letztlich den Wert der Investition. Man will ja für seinen eigenen Ruhestand sorgen und nicht für den der Person, die Gebühren und Provisionen kassiert.“

 

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