Staatsverschuldung und Last für künftige Generationen


am 14.10.2012 – 228 mal gelesen.


Nick Rowe hat in seinem Blog neulich eine neue Debatte in der Blogosphäre über eine bizarr verwirrte Thematik ausgelöst: „Schuldenlast für künftige Generationen“. Brad DeLonghat in seinem Blog promt eine Antwort geliefert.

Und Paul Krugman erklärt in seinem Blog, warum die konventionelle Präsentation falsch ist.


Zunächst einmal gilt es, sich zu vergegenwärtigen, dass die Formulierung im Hinblick auf die „Generationen“ leicht eine Falle sein kann, bemerkt Krugman. Es ist nämlich durchaus möglich, dass Schulden den Verbrauch der einen Generation erhöhen und den Verbrauch der nächsten Generation verringern können, während einer Zeitperiode, wenn die Mitglieder der beiden Generationen noch am Leben sind.


Angenommen, Präsident Santorum versucht nach der Wahl von 2016, die Unterstützung der Senioren zu gewinnen, indem er jedem Amerikaner über 65 eine neu zubegebende Staatsanleihe schenkt. Wird die Generation der über-65jährigen nun reicher und die der unter-65jährigen ärmer?


Das ist aber nicht das, was die Leute meinen, wenn sie über die Last der Schulden für künftige Generationen reden, erklärt Krugman. Was sie meinen, ist, dass Amerika als Ganzes ärmer wäre, wie eine Famlie, die Schulden macht, dann ärmer wird. Macht das Sinn?


Ein Gedankenexperiment: Angenommen, Präsident Santorum sorgt für eine Verfassungsänderung, wonach von nun an jeder Amerikaner, dessen Name mit den Buchstaben A bis K beginnt, von der Regierung jedes Jahr 5‘000$ bekommt. Das Geld wird durch zusätzliche Steuern aufgebracht. Wird Amerika als Ganzes dadurch ärmer?



US-Haushaltsdefizit und Leistungsbilanzdefizit (in Prozentsatz des BIP), Graph: Prof. Paul Krugman












Um die ganze Debatte kurz abzurunden:


Nick Rowe teilt die Ansicht von DeLong und Krugman nicht, dass die Staatsverschuldung keine Last für künftige Generationen darstellt. Rowe hält es für eine Zombie-Idee, zu denken, dass „die Staatsverschuldung keine Belastung für künftige Generationen sei, weil sie die Anleihen übernehmen, genau so wie die Schulden, so dass sie sich selbst schulden“. Der an der Carleton University, Kanada lehrende Wirtschaftsprofessor verweist mit einem Seitenhieb in Richtung Mark Thoma darauf, dass er in den vergangenen Jahren sechsmal (z.B. hier und hier) dazu Stellung genommen habe. Staatsverschuldung ist eine Belastung für unsere Kinder, es sei denn, Sie glauben an Ricardianisches Äquivalenztheorem, argumentiert Rowe.


Schliesslich fasst Dean Baker in seinem Blog die Debatte zusammen, und hält fest, dass alle wohl damit einverstanden sind, dass in einer Situation, wo die Wirtschaft deutlich weit unter ihrem Potenzial schafft, die öffentliche Hand das Haushaltsdefizit hochfahren kann, um die Beschäftigung (employment) und die Produktion (output) zu erhöhen. Die Regierung kann im Grunde genommen diese Defizite verwenden, um die künftige Produktion durch sinnvolle Investitionen in entweder physisches Kapital oder in Human-Kapital zu steigern, was die künftige Generation aufgrund des Defizits von heute netto besser stellen würde, da die Wirtschaft grösser wäre als ohne die Defizite.


Es gibt also laut Baker viele gute Gründe, warum wir heute alles tun sollten, um die Wirtschaft zu Vollbeschäftigung zurückzubringen. Er ist der Ansicht, dass sowohl Fiskal- als auch Geldpolitik dazu eingesetzt werden sollten. Es gibt nämlich keinen Grund, zu glauben, dass Defizite in der Gegenwart zu einem langsameren Wirtschaftswachstum in Zukunft führen würden. Und es gibt viele Gründe, zu denken, dass sie das Wachstum erhöhen.

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