Gefährlicher Sommer, besserer Herbst


Riedls Dax-Radar am 03.09.2012 – 26 mal gelesen.

Der heftige Rückschlag nach der Draghi-Enttäuschung zeigt, dass die Märkte weiterhin anfällig sind. Dennoch könnte in der zweiten Augusthälfte die Basis für einen guten Herbst gelegt werden.

Die Erwartungen an die Notenbank waren hoch, doch heraus kam – fast nichts; jedenfalls, wenn man es aus der Sicht der Geldflut-Optimisten sieht. Und in der Tat, weder Anleihenkäufe noch Zinssenkungen, nur verbale Bekenntnisse waren von Draghi zu hören. Ist die Rettung des Systems und der Märkte durch die Notenbanken damit gescheitert?

Nun, auf den ersten Blick ist das Image von Draghi natürlich mächtig angekratzt. Aber man kann das auch anders sehen. Denn Draghi hat zwar vor einigen Tagen vielversprechende Ankündigungen gemacht und jetzt erst einmal nicht geliefert, doch das heisst ja nicht, dass er dies nicht doch noch tun wird – zu einem späteren Zeitpunkt, den nicht die Märkte bestimmen, sondern er und die Notenbank selbst.

Draghi, der Fuchs

Wie mehrmals an dieser Stelle betont, ist der Überraschungseffekt einer der wichtigsten Waffen der Notenbanken. Und Draghi hat die Märkte bereits mehrmals überrascht. Schon als er antrat, gab es eine schnelle, unerwartete Zinssenkung. Dann die vermeintlich großspurige Ankündigung vergangene Woche – und nun die (ebenfalls vermeintliche) Enttäuschung. In jedem Fall hat Draghi etwas gemacht, das die Märkte nicht erwartet hatten. Wahrscheinlich ist er ein viel schlauerer Fuchs, als er jetzt von vielen Enttäuschten hingestellt wird.

Wenn man diesen Gedanken weiterführt, kann es in den nächsten Wochen und Monaten durchaus massive Maßnahmen der Notenbanken geben. An der grundlegenden Position, dass Spekulationen gegen die EU und den Euro zunehmend gefährlich werden, dürfte sich nichts geändert haben.

Heute früh startet der Dax mit hohen Kursgewinnen, als ob es den Ausverkauf am Donnerstag nicht gegeben hätte. In der Tat ist es ja auch nicht schlecht für den Dax, dass die Notenbanken Souveränität gegenüber den Wünschen der Märkte demonstrieren – und zudem genug Pulver trocken haben, wenn es in den nächsten Monaten wirklich darauf ankommen sollte.

Doch vage Hoffnungen für den Dax?

Seit der zweiten Juli-Hälfte steckt der Dax, wie erwartet, in einer Konsolidierung fest. Bis auf kurze, scharfe Rückschläge kam es jedoch noch nicht zu einem längeren Kursrückgang. Daraus ließe sich für die nächsten Monate sogar ein Szenario ableiten, das positiver als die bisher erwartete August- und September-Korrektur sein könnte.

Dieses positivere Szenario könnte so aussehen: Der Dax kann sich im Zeitfenster der laufenden Korrektur, das in der zweiten Juli-Hälfte begann und etwa bis Ende August/Anfang September reicht, gut halten; also sagen wir einmal: Nach dem ersten Rückgang auf 6550 im Tagesverlauf und der nachfolgenden Erholung auf über 6700 könnte es noch einmal einen Rücksetzer  in Richtung 6400 geben. Auf diesem Niveau aber stabilisiert sich der Dax wieder, womöglich Ende August, und geht dann in eine neue Aufwärtsphase über. Die könnte dann zeitlich mit wirklich effektiven Maßnahmen Draghis zusammenfallen und damit bis in den Oktober hinein zu einem positiven Klima an den Aktienmärkten führen.

Wie gesagt, die Basis für dieses positive Szenario muss sich erst noch herausbilden. Dazu darf der Dax in den nächsten drei Wochen nur langsam und schrittweise abdriften und sollte jeweils in der Nähe der markanten Unterstützungen (von 6600 bis 6400) sofort wieder nach oben drehen.

An der Tatsache, dass August und September kritische Monate sind und bleiben (zumal nach einem vorangegangenen, deutlichen Kursanstieg) ändert das nichts. Wer kaufen will, sollte sehr vorsichtig vorgehen, nur  auf ausgesuchte Werte setzen und dazu Tiefspitzen wie die vom Donnerstag  nutzen.

 

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