Dürr: Was kommt nach der Korrektur?


Alphabriefe am 27.09.2012 – 28 mal gelesen.

Beim Anlagenbauer Dürr (ISIN DE0005565204) ging es charttechnisch in den letzten Wochen etwas ruppiger zu. Was nicht unbedingt nachvollziehbar ist, da das Unternehmen selbst keinen Anlass bot, hier an der guten operativen Verfassung zu zweifeln. Im Gegenteil:

Zuletzt konnte der Spezialist für Lackiermaschinen auf der Ebene der externen Expansion für positive Schlagzeilen sorgen. So hatte man angekündigt, sich am Wärmepumpenhersteller Thermea zu beteiligen. Klingt anfänglich eher unspektakulär, hat aber eine sehr interessante Dimension und Perspektive. Grundsätzlich ordnet sich die Beteiligung bei Dürr in das Konzept ein, im Bereich Energieeffizienz zu expandieren. Dazu hatte man im vorigen Jahr schon den Geschäftsbereich Clean Technology Systems gegründet. Dieser soll bis 2015 auf einen Jahresumsatz von 200 Mio. Euro kommen.

Mit der Beteiligung an Thermea erhält Dürr nun Zugriff auf Technologien, die u. a. bei Autobauern zum Einsatz kommen. Z. B. geht es darum, Feuchtigkeit aus Druckluft zu ziehen. Gleichzeitig verbandelt man sich dadurch mit dem Autozulieferer Bosch, der wie Dürr 27% an Thermea hält. Aber das ist nur eine Zielrichtung von Dürr.

Gleichzeitig nimmt man auch Verstärkungen in anderen Geschäftsbereichen ins Visier. So will man sich im Stammgeschäft der Lackiermaschinen vor allem in Argentinien umschauen, da man dort aussichtsreiche Entwicklungen als Produktionsstandort wahrnimmt. Außerdem steht das Thema Flugzeug-Montage weiterhin auf der Agenda. Im letzten Jahr hatte Dürr melden können, den Auftrag für eine Montagestrecke des russischen Flugzeugbauers Irkut erhalten zu haben, das war damals der bislang größte Auftrag in diesem Segment gewesen. Aktuell beginnt der Bau der damals verabredeten Fertigungsstrecke und Dürr will möglichst schnell nachlegen, um die Abhängigkeit vom Automobilbau weiter abzusenken.

Dabei dürfte es weniger um echte operative Schwierigkeiten gehen. Denn Dürr hat sich schon länger zum einen auf die noch recht gut dastehenden Premium-Hersteller fokussiert als auch auf Autokonzerne in den Schwellenländern, die noch erheblichen Ausrüstungsbedarf haben. So verfügt Dürr aktuell auch über einen Auftragsbestand von mehr als einem ganzen Jahresumsatz. Doch ist dem Unternehmen klar, dass auch dieser Zyklus mal zu Ende gehen dürfte. Außerdem wird die Aktie durch schlechte Meldungen aus der Branche immer wieder unter Druck gebracht.

Da ist es besser, an einer noch eigenständigeren Investment-Story zu arbeiten. Wobei sich Dürr nicht nur über die avisierten Geschäftszahlen 2012 empfiehlt, sondern auch über die Dividende. Denn mit einem avisierten Gewinn von rund 100 Mio. Euro und einer Ausschüttungsquote zwischen 30% und 40% könnte die Dividende für das Geschäftsjahr 2012 auf 1,60 Euro bis 2,20 Euro steigen. Das entspräche einer aktuellen Dividendenrendite von 3,15% bis 4,30%. Durchaus ein weiteres Kaufargument für die Aktie.

Zumal wie gesagt in letzter Zeit eine Korrektur erfolgte. Diese sollte aber an der Unterstützung bei 50 Euro Halt machen. Zumal Dürr nach den erfolgten Abschlägen mit einem 2012er und 2013er KGV von 9,5 bzw. 8,9 klar günstiger bewertet ist als beispielsweise andere Maschinenbauer wie Kuka, Bertrandt oder Gildemeister. Unser Fazit kann also nur heißen, die Aktie weiter zu halten. Sollte wider Erwarten die Unterstützung doch nicht halten und der Stopp-Loss ausgelöst werden, wäre Dürr ein glasklarer Kandidat für einen Rückkauf, natürlich je nach Charttechnik.

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