ROUNDUP: Schiesser wird nach Israel verkauft - Börsengang abgesagt
am 02.05.2012 – 26 mal gelesen.
STUTTGART (dpa-AFX) - Der traditionsreiche deutsche Unterwäschehersteller Schiesser wird israelisch. Die Delta-Galil-Gruppe mit Sitz in Tel Aviv kauft das Unternehmen aus Radolfzell am Bodensee, wie Schiesser am Mittwoch mitteilte. Entsprechende Verträge seien unter Dach und Fach. Es stehe nur noch die Genehmigung der Wettbewerbshüter aus. Über den genauen Kaufpreis wurde nichts bekannt - die Summe reiche aber, um alle Gläubiger zu bedienen.
Mit dem Verkauf an Delta Galil - ebenfalls ein Produzent von Textilien wie Unterhosen, Dessous und Funktionsunterwäsche - enden die Pläne für einen Börsengang Schiessers, den das 1875 gegründete Traditionsunternehmen mehrmals verschoben hatte. Eigentlich wollten sich die Radolfzeller bis zum Sommer aufs Parkett gewagt haben, um frisches Geld einzusammeln. "Wir planen, im August alle Gläubiger bedient zu haben", sagte der Schiesser-Aufsichtschef und ehemalige Insolvenzverwalter, Volker Grub, der Nachrichtenagentur dpa. Bis dahin sollen die Kartellbehörden Grünes Licht gegeben haben und die Übergabe erfolgt sein, die laut Vertrag am 1. Juli anstehe.
Schiesser war Anfang 2009 in die Insolvenz gegangen. Hauptgrund waren
unprofitable Lizenzverträge für fremde Marken wie Tommy Hilfiger oder Puma
Die Gruppe sei bisher in deutschsprachigen Ländern noch nicht vertreten, Schiesser sei daher ein passendes Puzzlestück und füge sich bestens in die Expansionspläne der Israelis. Es gebe nun zwar keine förmliche Jobgarantie. "Aber ohne die Mitarbeiter hier können die gar nicht", sagte Grub. Delta habe Wachstum versprochen - auch in Sachen Belegschaft - und sich eindeutig zur Marke Schiesser bekannt. Womöglich erhalte Schiesser nun zusätzliche Produktionsaufträge. Das Unternehmen vom Bodensee bezeichnet sich als "Marktführer unter den deutschen Wäschespezialisten". Für die Gruppe arbeiten 1.780 Menschen.
Delta Galil wurde 1975 gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit 7.000 Menschen. Das Unternehmen produziert auf vier Kontinenten und bediene 50 Branchenriesen in den USA, Großbritannien und Kontinentaleuropa. Laut Bilanz 2011 setzte die Gruppe knapp 679 Millionen US-Dollar um (etwa 514 Millionen Euro). In einer gemeinsam verbreiteten Pressemitteilung sprechen die neuen Partner von rund 900 Millionen US-Dollar Gruppenumsatz - das wären 684 Millionen Euro.
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