Setzt S&P Ausblick Frankreichs innerhalb von 10 Tagen auf "Negativ"?


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von Johann Martin

Eintrag vom: 29.11.2011

Medienberichten zufolge plant die Ratingagentur Standard & Poor´s (S & P) die Herabstufung der Bonität Frankreichs. Die Nachrichtenagentur Reuters greift eine Meldung der französischen Zeitung La Tribune auf, wonach S & P die Bonität Frankreichs vom derzeitigen Spitzenwert „AAA“ in den kommenden zehn Tagen herabstufen werde. Bereits am vergangenen Freitag sorgte die Herabstufung Belgiens für Aufruhr an den Finanzmärkten. Eben zu diesem Zeitpunkt sollte auch die Herabstufung Frankreichs durch S & P mitgeteilt werden. Die Ratingagentur habe aber die Veröffentlichung aus unbekannten Gründen verschoben, so französische Medienberichte.

Allein das Gerücht führte bereits zu einer schwächeren Euro-Notierung. Die Zweifel an Frankreichs Schuldenpolitik nähren sich. Die französischen Staatsanleihen verzeichneten bereits Wertverluste. Die zwei amerikanischen S & P-Konkurrenten Fitch und Moody´s haben Frankreich ebenfalls gewarnt, dass das „AAA“-Rating nicht zu halten sei. Der Ratingcode „AAA“ besagt, dass der Schuldner höchste Bonität am Finanzmarkt besitzt und nur mit einem geringen Ausfallrisiko für den Gläubiger zu rechnen ist. Bereits vor zwei Wochen hatte S & P Frankreichs Bonität versehentlich herabgestuft. Dabei soll es sich um einen Computerfehler gehandelt haben.

Der französische Finanzminister Francois Baroin brachte seine Besorgnis im französischen Rundfunk zum Ausdruck und forderte, dass der Fokus nicht nur auf Frankreich liegen solle. Bei Frankreich handle es sich nicht um Island und sein Land habe sich als weitsichtig in der Schuldenkrise erwiesen, so Baroin. Die französische Regierung bemüht sich um Schadensbegrenzung und erklärt, dass man am Wachstumsziel von 1 Prozentpunkt für das kommende Jahr festhalte. Die OECD hält hingegen ein Wachstum von höchstens 0,3 % in Frankreich für möglich. Die OECD geht in ihrem am Montag vorgestellten Konjunkturausblick von einer Rezession in der gesamten Euro-ZOne aus. 

Zusätzlich stehen auch die europäischen Banken selbst unter Druck. Die Ratingagentur Moody´s kündigte an, möglicherweise die nachrangigen Verbindlichkeiten von 87 Banken aus 15 EU-Mitgliedsstaaten herabstufen zu wollen. Es sollen Kreditinstitute in Frankreich, Spanien, Italien und Österreich betroffen sein.

Bislang gilt die Rating-Einstufung Frankreichs, immerhin die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, als stabil. Sollte die Bonität Frankreichs tatsächlich in den kommenden Tagen herabgestuft werden, wird mit weitreichenden Folgen gerechnet. Es würden nicht nur französische Staatsanleihen an Wert verlieren, sondern auch der Kampf gegen die Schuldenkrise in der Euro-Zone müsste mit anderen Mitteln neu überdacht werden. Der Euro-Rettungsfonds EFSF wird nach Einschätzung von Finanzexperten höhere Zinsen für Kredite zahlen müssen. Derweil belässt S & P die Gerüchte um eine Herabstufung Frankreichs unkommentiert.

 

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