Goldrausch vorbei? Der Investor George Soros zieht sich zurück
Eintrag vom: 12.10.2011
Anleger bekommen oft nicht genug davon, über ihre Lieblings-Investoren, die Größen der Branche, und deren Umgang mit ihrem Portfolio zu sprechen. Jüngstes Beispiel: Die Nachricht, dass George Soros seine Goldanteile liquidiert hat, regte einige Investoren und Kommentatoren zum Nachdenken darüber an, ob der beeindruckende Goldrausch an den Märkten nun dem Ende entgegen geht. Ob Soros mit diesem Schritt nun richtig oder falsch liegt – Anleger sollten sich überlegen, was die Gründe dafür sind und ob es sich für sie lohnt, ihm darin zu folgen.
Schlechte Gründe, es Soros nachzumachen:
Er spielt ein anderes Spiel
Grundsätzlich muss man feststellen, dass Investoren wie Soros, Paulson, Gartman und andere einfach in einer anderen Liga spielen als du und ich. In vielen Fällen liegt bei den von Hegdefonds-Managern gehandelten Fonds ein sehr hoher Anteil an Fremdfinanzierung vor, bei gleichzeitig relativ unbedeutenden Handelskosten. Das bedeutet, dass die Fondsmanager am Montag verkaufen, am Mittwoch kaufen und am Freitag wieder verkaufen können und dabei die ganze Zeit Gewinn machen. Das ist etwas, was dem Durchschnittsanleger nicht offen steht. Ein regulärer Investor wird schnell arm werden, wenn er sich zu sehr am Beispiel der Großen orientiert, bewegt er sich doch in einem ganz anderen Rahmen – sie handeln immerhin in einem Umfeld minimaler Besteuerung, minimaler Transaktionskosten und massiver Fremdfinanzierung/Hebelwirkung.
Es gibt einen Unterschied zwischen dem Besitz von Gold mit dem Ziel der Wertsteigerung und dem Besitz als Versicherungspolice oder Absicherung des Portfolios. Gold hat tendenziell eine geringe Korrelation mit anderen Anlagegütern, und es gibt mit dem Vorteil der Diversifizierung ein überzeugendes Argument dafür, dass es einen dauerhaften Platz im Portfolio einnehmen sollte. Für all jene Investoren, die ihr Gold als Sicherheit sehen, würde es wenig Sinn ergeben, Soros in der Liquidierung zu folgen. All sein Gold zu verkaufen, nur weil Soros das tut, wäre so ähnlich wie seine Autoversicherung zu kündigen, weil der Nachbar sein Auto verkauft.
Neugewichtung
Bei diesem neuesten Schachzug von Soros ist es wie so oft, wenn Aktionen bekannter Investoren publik werden – sie werden ohne Kontext präsentiert. Wie viel haben sie von diesem und jenem gehalten, bevor sie verkauften? Wie groß ist der Fonds? Was manchmal aussieht wie ein Ausstieg aus einer Position, kann auch bloß eine Neugewichtung des Portfolios sein. Zum Beispiel kann ein Manager unter der Vorgabe, einen diversifizierten Fonds zu handeln, einer einzelnen Position nicht erlauben, die Performance zu dominieren oder die Richtung zu diktieren (a manager purporting to run a diversified fund may not be able to allow having a single position dominate or dictate the direction of the fund's performance). Ebenso operieren einige Fonds mit vorgegebenen Limitierungen bezüglich der Größe einzelner Positionen und müssen diese daher unter Umständen beschneiden, um sie an die Vorgaben anzupassen (may have to trim positions to stay in compliance).
Unwahrheit
Ein anderer guter Grund, den Handlungen von Soros, Paulson oder anderen in der Öffentlichkeit stehenden Fondsmanagern nicht nachzufolgen, ist, dass man nicht weiß, was sie in Wirklichkeit tun. Das Lügen ist in der Geldverwaltung und dem Finanzjournalismus weit verbreitet. Manager lügen sich gegenseitig an, sie lügen Reporter an, und sie lancieren willkürlich Geschichten, um die Berichterstattung in die von ihnen gewünschte Richtung zu beeinflussen. Die Manipulation von Vermögenspreisen durch die Medien hat eine lange Tradition, und sie funktioniert tatsächlich. Mehr als nur ein paar Aktien sind allein deshalb gestiegen, weil wiederholt das Gerücht gestreut wurde, ein berühmter Investor würde sie kaufen.
Es sollte für Anleger im Umgang mit solchen Gerüchten und Nachrichten das Mindeste sein, sie mit den Einreichungen bei der U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) abzugleichen. Die wenigsten Fondsmanager werden das Risiko eingehen, sich durch offensichtliche Lügen in ihren Einreichungen den Zorn der SEC zuzuziehen. Leider gehen die tatsächlichen Transaktionen der Einreichung voraus, sodass diese unter Umständen überholt sind, wenn ein Investor die Möglichkeit zur Einsicht bekommt – ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es auch Fonds gibt, die nicht dem Einflussbereich des SEC unterliegen.
Gute Gründe, es Soros gleich zu tun:
Vielleicht hat Gold den Höchstwert erreicht Die Möglichkeit besteht und ist zumindest bedenkenswert, dass Soros Recht und Gold das Beste hinter sich hat. Wenn die Spitze erreicht ist, bzw. die Mitte einer parabolisch verlaufenden Kurve, ist der Ausstieg sicherlich das Richtige. Auch wenn es verlockend ist, bis zur letzten Minute der Wertsteigerung abzuwarten und jeden möglichen Euro bzw. Dollar rauszuholen: Es ist ebenso äußerst riskant. Wer zu lange bleibt, gerät oft in den Strudel, wenn es abwärts geht, und verliert eine Menge von dem, was er vorher gewonnen hat. Soros könnte auch der Ansicht sein, dass die Märkte den Gipfel der Angst nun hinter sich haben. Nachdem die USA nun den Höhepunkt der Krise überwunden zu haben scheinen, wird es sicherlich noch Auswirkungen der europäischen Bankenkrise geben. Sollte sich der US-Kongress nun mit dem Verlangen der Wähler nach realen Lösungen und nachhaltiger fiskalischer Disziplin konfrontiert sehen, könnte Gold es in Zukunft schwerer haben.
Andere Anlagen könnten günstiger sein
Wenn nun große Namen wie Soros sich aus dem Goldgeschäft zurückziehen, gibt es auch noch eine andere Sichtweise: Der Aufstieg des Goldes hat andere attraktive Anlagemöglichkeiten im Vergleich schlecht aussehen lassen. Eine der häufigsten Beanstandungen an Gold ist, dass es zwar Wert hat, aber keinen produziert. Im Gegensatz dazu kann zum Beispiel Land sowohl kurzfristigen Cashflow hervorbringen als auch langfristige Kurssteigerungen (Waldgebiet produziert Holz, Farmgebiet produziert Saat und/oder Pachtgeld etc.). Während jeder Investor Gold und Gold-ETCs kaufen kann, ist Land schwieriger zu erwerben. In den USA hat die Kombination des Goldrauschs mit dem schlechten Immobilienmarkt einige lukrative Möglichkeiten eröffnet.
Quintessenz
Es ist unrealistisch, einem Investor zu sagen, er möge doch bitte die Markteinschätzungen von Leuten wie Buffet, Soros oder Paulson ignorieren, und ebenso, was sie mit ihrem Geld anstellen. Schließlich sind sie nicht durch Zufall oder Glück so reich geworden, und sie haben oft wertvolle Einsichten in das Funktionieren des Marktgeschehens. Trotzdem handelt jeder Investor in seiner eigenen Welt, und was für Soros oder andere Hedgefonds-Manager sinnvoll ist, kann wenig bis nichts mit der Situation eines regulären Anlegers zu tun haben. Hedgefonds-Manager werden extrem hoch bezahlt, um sich und andere immer wieder zu übertreffen, was unter anderem zu größerer Risikotoleranz führt, als es für einen durchschnittlichen Anleger nötig und sinnvoll ist. Wenn es um Gold geht, sollten Investoren natürlich nicht außer Acht lassen, wie ein erfahrener Anleger wie Soros den Markt beurteilt, aber das ist auch nicht mehr als ein Faktor von vielen. Soros lag auch schon mal falsch, er kann auch jetzt falsch liegen; und unabhängig davon haben Anleger unterschiedliche Erwartungen und Gründe dafür, in Gold zu investieren. Auf jeden Fall sollte man sich überlegen, ob Gold zu schnell zu sehr im Wert gestiegen ist oder ob es einen zu großen Anteil des Portfolios einnimmt. Doch blindlings die Handlungen der erfolgreichsten Investoren zu kopieren ist eher ein Rezept dafür, die Performance seines Portfolios grundlegend zu beeinträchtigen.



