Die Wahrheit über das Arbeiten in der Finanzbranche - Das denken Trader wirklich
Eintrag vom: 17.11.2011
Finanzhändler verdienen zu viel und die momentane Finanzregulierung macht zu wenig, um risikoreiches Verhalten am Finanzsektor an die Kandare zu legen. Diese landläufige Meinung wird interessanterweise auch von den handelten Personen, also den Tradern selbst, vertreten. Eine aktuelle britische Studie hat in London Angestellte des Finanzsektors zu ihrer Meinung befragt. Einige Antworten sind wie erwartet ausgefallen, andere hingegen überraschen doch sehr.
Eine der wenig überraschenden Antworten betrifft die Motivation, im Finanzsektor zu arbeiten. Für 64 Prozent der Befragten sind das Gehalt sowie die dazugehörigen Boni der größte Motivationsschub. Mit doch respektablem Abstand folgt die Freude an der Arbeit. Da verwundert es doch, dass fast zwei Drittel der Trader meinen, die Manager und Angestellten im Finanzsektor sind überbezahlt. Nur ein Viertel glaubt, dass die Bezahlung der Leistung entspricht. Verglichen dazu meinen 70 Prozent der Befragten, dass Lehrer unterbezahlt sind. Des Weiteren wird die Kluft zwischen Arm und Reich in Großbritannien als zu groß befunden.
Auf die Frage, ob mehr Geld einen positiven oder negativen Einfluss auf die moralischen Werte nimmt, gab es keine eindeutige Antwort. Jeweils ein Drittel glaubt, das mehr Geld einen positiven, negativen oder keinen Einfluss hat. Im Gegensatz dazu ist die Hälfte aller befragten Finanzhändler der Meinung, dass eine weitere Deregulierung des Finanzmarktes einen negativen Einfluss auf das ethische Verhalten der beteiligten Personen hat.
Zu ihrer gesellschaftlichen Rolle befragt glauben die Trader, dass sie einen wichtigen Beitrag zur britischen Wirtschaft liefern, sie dafür aber zu wenig Anerkennung bekommen. Eine ethische Verantwortung in Bezug auf die Gesellschaft ist ihnen aber jedenfalls bewusst.
Das Selbstbild der Trader ist gerade in Bezug auf zukünftige Deregulierungsgedanken interessant. So meinen drei Viertel aller Befragten, dass hohe Boni die Beschäftigten im Finanzsektor dazu verleiten, noch größere Risiken am Finanzmarkt einzugehen. Aufgrund der derzeitigen Bonusregelungen denken die meisten Trader viel zu kurzfristig und sind damit auf schnelles Geld aus. Deshalb wird von über 75% die Meinung vertreten, die Boni nicht an kurzfristige Leistungen zu binden, sondern langfristige Erfolge zu belohnen.
Ein großer Anteil der Londoner Finanzhändler meint, dass jede geschäftliche Entscheidung zum Wohl der Shareholder getroffen werden soll. Dass dabei ethische Grundsätze diesen Entscheidungen oft im Weg stehen, ist ihnen aber ebenfalls bewusst.
Die von einer kirchennahen Gesellschaft in Auftrag gegebene Studie über das Selbstbild der im Londoner Finanzsektor arbeitenden Beschäftigten bestätigt und widerlegt gleichzeitig einige Klischees über Trader. Die Trader begrüßen nicht unbedingt Deregulierungsmaßnahmen und glauben selbst, überbezahlt zu sein. Das Gleichgewicht von Risiko, Verantwortung und Belohnung gehört jedenfalls wieder hergestellt.



