Börsenturbulenzen - EU will den schnellen Computerhandel unterbinden


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von Eugen Zentner

Eintrag vom: 08.09.2011

EU-Kommission erwägt Verbot des schnellen Computerhandels

Auf der Suche nach weiteren Ursachen und „Schuldigen“ für die drastischen Kursverluste an den Aktienmärkten im vergangenen Monat und den zunehmenden Spekulationen gegen den Euro oder die Staatsanleihen verschiedener Euro-Staaten hat die EU-Kommission nun den schnellen Computerhandel ins Visier genommen. Die sekundenschnellen Börsengeschäfte sollten zukünftig untersagt werden.

Die EU-Kommission sieht den sekundenschnellen Computerhandel als eine der Ursachen dafür an, dass die Kurse in den letzten Wochen massiv geschwankt haben. Denn durch automatisierten Handelsprogramme wurde mitunter ein Umsatz von vielen Millionen Euro in nur wenigen Sekunden generiert, was bei den Börsenindizes und den Aktien teilweise zu Verlusten von bis zu zehn Prozent innerhalb nur eines Tages geführt hat. Die Sprecherin des Binnenmarktkommissars der EU, Michael Barnier sagte gestern, dass es bestimmte Regel für den sekundenschnellen Handel geben müsse, wozu auch automatische Stopps zählen sollen, durch die der Aktienhandel bei zu schnell fallenden Kursen unterbrochen werden kann. Durch solche Sicherungsmaßnahmen soll zukünftig verhindert werden, dass automatische Handelsprogramme dazu führen können, dass die Börsenkurse in wenigen Minuten um mehrere Prozentpunkte fallen können. Schon im kommenden Oktober/November soll von Barnier eine Novelle der bestehenden Finanzmarktrichtlinie der Europäischen Union mit geänderten Vorschriften im Bereich des Wertpapierhandels vorgelegt werden.

Erweiterung der Handelssysteme gefordert

Neben dem möglichen Stopp des Handels bei zu hohen Verlusten in kurzer Zeit fordert die EU-Kommission darüber hinaus auch den Einbau einer so genannten Kurssicherungssoftware in die Handelsplattformen. Ferner sollen die immer häufiger genutzten elektronischen Handelssysteme zukünftig von der jeweils zuständigen Finanzaufsicht überwacht werden. Dass die Sorgen der EU berechtigt und die geplanten Maßnahmen sinnvoll erscheinen zeigt alleine die Tatsache, dass es im heutigen Hochfrequenzhandel problemlos möglich ist, dass die Computersysteme aufgrund der automatischen Handelsprogramme innerhalb von Sekunden viele hundert Verkaufsorders generieren. Gerade bei einer ohnehin angespannten Stimmung können die daraus resultierenden fallenden Kurse zu einer Panik führen.

Nicht nur der Aktienhandel soll kontrollierbarer werden

Nicht nur an den Aktienmärkten ist es in der Vergangenheit zu drastischen Kursverlusten gekommen, sondern teilweise trifft dies auch für den Devisen- und vor allem den Rohstoffmarkt zu. Aus dem Grunde sollen durch die neuen geplanten Regeln der EU-Kommission auch die Geschäfte mit Rohstoffen, genauer gesagt die Spekulationen mit den Rohstoffen wie Öl, Gold etc., in Grenzen gehalten werden. Das Ziel soll es sein, dass die Aufsichtsbehörden zukünftig dazu berechtigt sind, eine Begrenzung der Geschäfte mit den so genannten Rohstoff-Derivaten vorzunehmen. So soll es für definierte Transaktionen in diesem Bereich bestimmte Obergrenzen geben. Denn auch das Öl ist zum Beispiel in der jüngsten Vergangenheit eine Art Spielball der Spekulanten geworden.

 

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