Berlusconis Rücktritt - Investoren feiern


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von Eugen Zentner

Eintrag vom: 09.11.2011

Kursgewinne in Asien und an der Wall Street

Neben Griechenland wird zunehmend Italien zu dem Schauplatz, auf dem sich die momentan wichtigsten Geschehnisse ereignen. Die ganze Welt beobachtet mit Spannung, welche Entscheidungen das Land trifft, um sich aus der Schuldenkrise zu retten. Gestern war so ein Tag, an dem sich alle Augen auf den Staat im Süden Europas richteten. Nach einem für Berlusconi enttäuschenden Abstimmungsergebnis im Parlament, kündigte dieser in einem Zwei-Augen-Gespräch mit dem Staatspräsidenten Giorgio Napolitano seinen Rücktritt an. Diese Nachricht sorgte vielerorts für Erleichterung, in erster Linie an den ausländischen Börsen. Ein positives Zeichen kam aus Asien, wo an den Börsen Kursgewinne zu verzeichnen waren. Auch an der Wall Street ging der Dow Jones nach oben und gewann 0,84 Prozentpunkte.

Zinsen für italienische Staatsanleihen wachsen rasant

Dass Berlusconi letztendlich doch den Schritt tat, sein Amt nach 17 Jahren nieder zu legen, hängt damit zusammen, dass nicht nur die Opposition ihn scharf angegriffen, sondern dass auch die eigenen Partei- und Koalitionspartner sich vom „Cavaliere“ distanziert hatten. In dem 630-köpfigen Parlament, in dem gestern über den Rechenschaftsbericht zum Haushalt 2010 abgestimmt wurde, erhielt der 75 Jahre alte Medienmogul und polarisierende Politiker lediglich 308 Stimmen. Die absolute Mehrheit, für die 316 Stimmen benötigt worden wären, konnte Berlusconi somit nicht für sich gewinnen. Und dass es überhaupt eine Mehrheit wurde, liegt daran, dass die Opposition aus Verantwortung für das eigene Land sich enthielt. Auf sie wären insgesamt 321 Stimmen entfallen. Die Zahlen zeigen, wie niederschmetternd das gestrige Votum für das politische Stehaufmännchen Berlusconi war. Nun will der Ministerpräsident zurücktreten, weiß aber noch nicht wann. Der Zeitpunkt steht noch nicht fest, was an der Börse immens für Unruhe sorgt. Auch ohne Berlusconis Rücktritt sorgt die Verschuldung des Landes für Rekordergebnisse hinsichtlich der Zinsen für italienische Anleihen. Erst gestern stiegen diese von 6,4 auf 6,74 Prozent. An der Börse in Mailand kommt es ständig zu Turbulenzen, und jede neue Nachricht über den möglichen Zeitpunkt des Rücktritts beschert neue Kurssprünge und Abstürze.

Wer wird Berlusconis Nachfolger?

Derweil wird in Rom über den möglichen Nachfolger debattiert. Einige Namen wurden bereits genannt, doch ist man sich noch nicht im Klaren, wer von ihnen die Nachfolge tatsächlich antreten soll. Als der wohl wahrscheinlichste Kandidat wird Angelino Alfano gehandelt, der zur Zeit die Position des Generalsekretärs der Regierungspartei PDL inne hat. Gute Chancen hat aber auch der ehemalige EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti. In Stellung gebracht wird zudem Berlusconis Vertrauter Gianni Letta, der aktuelle Kabinettsminister. Wer von diesen Kandidaten letztendlich das Rennen machen wird, bleibt abzuwarten. Doch kann jede Minute das Land viel Geld kosten, Geld, das dem nach Griechenland am meisten verschuldeten Land der Euro-Zone ohnehin fehlt.

 

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