Arbeitslose Hausbesitzer: Was tun?
Eintrag vom: 28.09.2011
Schon das Wort ist deprimierend, und niemand sagt es gern von sich: Langzeitarbeitslos. Diesen Status erhält man, sobald man länger als ein Jahr arbeitslos ist. Die meisten hätten wohl nicht gedacht, dass ihnen so was mal passieren könnte – doch leider geht das schneller, als man glauben möchte. Gehören Sie auch zu denjenigen, die denken: „Wer Arbeit will, der findet auch welche“? Das hat sich Martin, 61, auch gedacht, sogar dann noch, als sein langjähriger Arbeitgeber neben hunderten anderer auch seine Stelle wegrationierte.
Martin wollte Arbeit, und er fand auch welche: Eine Zeitarbeitsfirma war die nächste Station für den gelernten Messingenieur, der nun mehr Stunden arbeitete als zuvor und weniger Gehalt bekam, aber dennoch froh war, in seinem Beruf bleiben zu können. Immerhin hatte er sich zwanzig Jahre zuvor ein Häuschen gekauft, dessen Hypothek er weiterhin bedienen muss. Einige Zeit danach war Martin genötigt, sich einer Operation zu unterziehen, und konnte daher einige Monate nicht arbeiten. Nach seiner Rekonvaleszenz kehrte er in seinen Job zurück und dachte, die Probleme wären überwunden.
Im Jahr darauf wurde er eines Besseren belehrt, als sich sein Arbeitgeber weigerte, seinen Vertrag zu verlängern. Fortan musste sich Martin mit Gelegenheitsjobs durchschlagen, deren letzter Anfang 2010 zu Ende ging. Seitdem hat er trotz intensiver Bemühungen - er versendet unermüdlich Lebensläufe und ist sogar in beruflichen Netzwerken unterwegs - keine Arbeit mehr gefunden, auch wenn er sich längst breiter orientiert hat und nicht mehr ausschließlich versucht, in seiner angestammten Profession Fuß zu fassen. Dass er auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, macht die Jobsuche nicht leichter: Er ist zwar bereit, lange Strecken zu fahren – immerhin hat er vormals jahrelang einen Arbeitsweg von insgesamt vier Stunden in Kauf genommen –, doch er konnte die von vielen potenziellen Arbeitgebern erwarteten Überstunden nicht leisten, wäre er doch danach nicht mehr nach Hause gekommen.
Die Hauptsorge des Erwerbslosen, der nun von Arbeitslosenunterstützung und Angespartem lebt, ist, sein Häuschen zu behalten. Daher überlegt er, seine Lebensversicherung flüssig zu machen und zusammen mit dem Angespartem dafür zu verwenden, seine Hypothek abzuzahlen. Dann, so seine Überlegung, könnte er sich wenigstens in dieser Hinsicht sicher fühlen – auch wenn sein Auskommen im Alter dadurch in Gefahr gerät.
Eine gute Idee?
Nein.
Gerade für jemanden ohne Einkommen ist es wichtig, sein Kapital zu behalten. Ohne Bargeld bzw. verfügbares Kapitel würde seine Lage noch schwieriger, denn seine Ausgaben laufen ja fort. Zu den grundlegenden Kosten kommen noch diejenigen, die durch Wartungs- und Reparaturarbeiten an seinem Haus entstehen; vor zwei Jahren zum Beispiel musste er seine Heizungsanlage auswechseln lassen. Wer würde ihm Geld leihen, wenn neuer Reparaturbedarf entsteht und er nicht mehr flüssig ist? Martin muss mit dem Gefühl der Unsicherheit leben und sollte versuchen, seine Kapitalreserven zu behalten. Sie sind seine Reserven der Unabhängigkeit.



