Klüger als Gaddafi: Fünf Anzeichen dafür, dass Sie Ihren Job kündigen sollten


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von Jan Gärtner

Eintrag vom: 15.09.2011

Zu wissen, wann man besser gehen sollte, ist eine Aufgabe, der wir uns alle irgendwann stellen müssen. Es gibt Zeiten, in denen der sofortige Abgang das Beste ist, sowohl für die Karriere als auch für die eigene Psyche und Moral. Achten Sie auf die Zeichen in Ihrer Umgebung. Weggehen oder bleiben?

Ein neues Kapitel in seinem Leben zu beginnen ist immer schwierig – besonders wenn man ein fast siebzigjähriger Diktator mit einer von Skrupellosigkeit geprägten Geschichte ist. Es sieht ganz danach aus, als hätte Muammar Gaddafi jetzt seine Entlassungspapiere bekommen. Als die Rebellen Tripolis eingenommen hatten, war von dem Diktator keine Spur mehr zu sehen. Seine Armee war verschwunden, und die Rebellen stießen auf keine nennenswerte Gegenwehr, als sie das Ende der 42-jährigen Herrschaft feierten. Doch entgegen dem eigentlich offensichtlichen Ende seiner Macht weigerte sich der sture Despot, die Niederlage anzuerkennen, und richtete noch aus der Versenkung fortwährend kämpferische Appelle an seine wenigen verbliebenen Unterstützer.

Warum konnte Gaddafi nicht einsehen, dass er verloren hat? Zweiundvierzig Jahre sind eine lange Zeit, um in einem Job zu bleiben, erst recht wenn dieser eine solche Macht beinhaltet. Aber wenn es jemals eine Zeit zum Rückzug für ihn gab, dann ist sie jetzt da.

Wenn Sie auch das Gefühl haben, es könnte an der Zeit sein, zu neuen Ufern aufzubrechen, geben wir Ihnen an dieser Stelle einige Hinweise zur Prüfung – damit Sie nicht selben sinkenden Boot landen wie der abgesetzte Diktator.

1. Eine Aufstiegschance ist verstrichen

Ob Sie es glauben oder nicht, ein neuer Tisch oder die Rückvergütung für die Stahlkappenboots bedeuten nicht, dass man seine Chance verpasst hat und nicht mehr für die Beförderung in Frage kommt. Die folgenden allerdings sind zwei klassische Situationen, die eine Sackgasse kennzeichnen: - Ihr Boss hat jemand anderen befördert, obwohl Sie für den Posten vorbereitet wurden. Wenn man Sie hat glauben lassen, die Beförderung sei Ihnen sicher, nur um Sie dann zu übergehen – dann könnte es an der Zeit sein, sich nach einem neuen Job umzusehen. Ehe Sie jedoch irgendwelche vorschnellen Entscheidungen treffen, bitten Sie Ihren Vorgesetzten um eine Erklärung. Eventuell hat er eine nachvollziehbare Begründung dafür, etwa einen noch besseren Posten für Sie. - Sie befinden sich wirklich in einer beruflichen Sackgasse. In einem Garten gibt es immer Dinge, die wachsen und solche, die sterben. Wenn es aussieht, als seien alle aussichtsreichen Möglichkeiten versperrt und auch keine neuen in Sicht, ist es wohl besser, eher früher als später zu gehen. Ein aussichtsreicher Arbeitsplatz war noch nie so wichtig wie in diesem unsicheren wirtschaftlichen Klima.

2. Sie werden in eine Position gedrängt, die Sie nicht wollen

In eine unvorteilhafte Position gedrängt zu werden oder sämtliche Verantwortung nach und nach abgeben zu müssen kann ein Indikator dafür sein, dass Sie aufs Abstellgleis geschoben werden, während das Unternehmen darauf wartet, Sie zu ersetzen. Es kann aber auch etwas völlig anderes bedeuten, etwa, dass Sie einfach nur benutzt werden, um eine Position auszufüllen, die niemand will. Finden Sie daher heraus, wie Sie im Unternehmen dastehen. Fragen Sie sich selbst, ob Sie zu den besseren Mitarbeitern gehören. Wie steht es um Ihr Gehalt im Vergleich zu dem der anderen? Der Schlüssel liegt darin, Ihren Wert für das Unternehmen zu ermitteln sowie die Pläne, die Ihr Chef möglicherweise mit Ihnen hat. Wenn Sie das Gefühl haben, dass es im Unternehmen eine Tendenz zu frischem Blut gibt, ist ihr Job womöglich in Gefahr.

Über Ihre beruflichen Sorgen zu sprechen wird Ihre Karrierepläne nicht beeinträchtigen, solange Sie Ihre Intention deutlich machen. Wenn Ihr Arbeitgeber mit Ihrer Arbeit zufrieden ist, wird man Sie nicht aufgrund Ihrer Sorgen ersetzen – und sei es nur wegen der mit einer Kündigung verbundenen Kosten – es sei denn, Sie erklären sich zutiefst unglücklich mit Ihrer Stellung. Wenn Sie das tun, wird es genügend Freiwillige geben, die Ihren Job übernehmen wollen.

3. Vertrauensbrüche

Werden Sie andauernd belogen? Sind sie plötzlich der/die Älteste in Ihrer Abteilung, aber immer noch gleichgestellt und mit gleichem Gehalt? Es könnte sein, dass es Zeit ist, zu gehen. In jedem Fall sollten Sie herausfinden, was man mit Ihnen vorhat. Stellen Sie sicher, dass Sie nicht aus Angst die falschen Schlüsse ziehen und voreilig Entscheidungen treffen. Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten darüber, und wenn Sie nicht mögen, was Sie hören, dann wissen Sie Bescheid und können sich ernsthaft auf die Suche nach etwas Neuem begeben. Wie oft wurde Ihnen ein Bonus oder eine Gehaltserhöhung versprochen, ohne dass es auch wirklich dazu kam? Wie oft hat man Ihnen andere, große Versprechungen gemacht, die nie eingelöst wurden? Wenn Sie sich in einer solchen oder ähnlichen Situation wiederfinden, geben Sie Ihren Unmut kund und sehen Sie sich die Reaktion genau an. Vertrauen ist wie ein nicht ausgesprochener Vertrag, und eine Verletzung desselben erfordert eine Wiedergutmachung in irgendeiner Form. Achten Sie nur darauf, dass Sie Ihrem Ärger darüber zivilisiert und sachlich Ausdruck verleihen und keine antagonistische Haltung einnehmen.

Wenn Ihr Vorgesetzter alles Vertrauen in Sie vermissen lässt und keine Anstalten macht, irgendeines seiner Versprechen einzuhalten, dann packen Sie Ihre Sachen. Denn auch wenn einem die Jobs heutzutage nicht gerade hinterher geworfen werden – indem Sie bleiben, wo man Sie derart hinhält, werden alle Aufstiegschancen an Ihnen vorüber ziehen, ohne dass Sie es überhaupt merken.

4. Personalabbau steht in Aussicht

Im heutigen instabilen ökonomischen Klima sind Entlassungen, gerne mit dem Begriff „downsizing“ kaschiert, geradezu an der Tagesordnung. Daher ist es so entscheidend wie noch nie, die wirtschaftliche Lage seiner Branche wie auch des Unternehmens zu beobachten. Seien Sie wachsam, wenn Sie etwa bemerken, dass die Verkaufszahlen rückläufig sind, insbesondere, wenn das Unternehmen an der Börse gehandelt wird. An den heutigen Finanzmärkten orientiert sich das obere Management immer an den Vierteljahresbilanzen, was leider zu einer ziemlich kurzfristigen Perspektive auch auf die Stellenbesetzung geführt hat.

Wenn es bei Ihnen auch nach Personalabbau innerhalb der nächsten paar Monate aussieht – und seien Sie nicht überrascht, wenn das der Fall ist -, sollten Sie sich Gedanken um Ihre eigene Zukunft machen. Nutzen Sie die Zeit, um nach einem besseren (oder gleichwertigen) Arbeitsplatz Ausschau zu halten.

5. Ihr Chef verlässt die Firma

Gibt es vielleicht etwas, das Sie nicht wissen? Wenn der Käpt’n das Schiff verlässt, könnte es einen guten Grund für Sie geben, ebenfalls zu gehen. Schnüffeln Sie etwas herum, versuchen Sie die Gründe zu erfahren. Wenn er im Stillen rausgeworfen wurde, können Sie sich wahrscheinlich entspannen, aber wenn seine Gründe auch nur ein wenig für Sie gelten können, machen Sie sich bereit. Wenn Ihr Boss Gaddafi war, sind Sie hoffentlich schon längst raus aus der Sache.

 

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