Warum Aktien Anleihen langfristig schlagen werden


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von Andre Westkamp

Eintrag vom: 13.01.2012

Es fällt nicht schwer, in Zeiten volatiler und sich hauptsächlich seitwärts bewegender Märkte die Achterbahnfahrt an den Aktienmärkten gegen die relative Ruhe der Anleihemärkte einzutauschen. Warum dies aber langfristig Renditechancen kostet, erläutert Jonathan Burton von Marketwatch.

Betrachtet man nämlich das aktuelle Zinsniveau und wie Aktien momentan bewertet sind, wird man zu dem Schluss kommen, dass Aktien einen weitaus besseren langfristigen Inflationsschutz bieten können - nicht, weil Aktien ein ausgesprochener Bullenmarkt bevorstände. Nur werden Anleihen langfristig enttäuschen.

Burton interviewte für seinen Artikel eine Reihe von Experten, darunter Fondsmanager Jack Bogle, der zwar eingesteht, dass die Risiken bei Aktien momentan nicht zu vernachlässigen seien, ein Rückzug aus diesen aber übertrieben wäre. Der Aktienmarkt werde den Bondmarkt langfristig schlagen.

Dabei müsste es an den Aktienmärkten nur ein wenig besser laufen, um die schlechten Ergebnisse der letzten Jahre zu überwinden. Im sog. "verlorenen Jahrzehnt" von 2000 bis 2009 ergibt sich für den S&P 500 ein annualisierter Verlust von 0.9% - inklusive Dividendenausschüttungen. Auch beim aktuellen Bewertungsniveau werden Aktien jedoch nicht die spektakulären Renditen erbringen, die zwischen 1980 und 1999 möglich waren - und doch sind sie momentan attraktiver als Bonds. Grund: die Inflation steht vor der Tür.

Auch Jeremy Siegel, Wharton-Professor, schließt sich dem an: Anleihen seien überbewertet; das beste Ergebnis sei eine Rendite von 0, rechnet man die Inflation ab. Wahrscheinlicher sei aber ein negatives Ergebnis. Kreditfinanzierte Anleiheinkäufe sind damit unmöglich. 

Schlechter Ausblick für Rentenfonds

Sollte das Zinsniveau künftig steigen (sehr wahrscheinlich bei den aktuell historisch niedrigen Zinsen), wird sich das auch negativ auf die Preise von bereits ausgegebenen Anleihen mit niedrigen Renditen auswirken. Das wird vor allem Investoren betreffen, die über Fonds oder ETFs in Bonds investiert sind - wer direkt in einzelne Anleihen investiert ist, bekommt bei Fälligkeit den Nominalwert zurück. Bei Fonds ist das nicht der Fall.

Der Bullenmarkt an den Anleihemärkten befinde sich in der Endphase, sagt auch David Rosenberg, Chefvolkswirt von Gluskin Sheff & Associates aus Toronto. Wenn die Rendite fünfjähriger Treasuries unter 1% fiele, sei die Sache bald vorbei.

Aktien sind im Gegenzug nicht überbewertet. Ende 2011 betrug das P/E-Ratio des S&P 500 gerade einmal 13 - deutlich günstiger als der Durchschnitt nach dem Zweiten Weltkrieg (17.5) und wesentlich günstiger als 1999 (33.5; Quelle: Capital IQ).

Freilich, große Sprünge werden sich auch bei den aktuell niedrigen Bewertungen nicht machen lassen. Das Ziel der meisten Investoren ist aber momentan der Inflationsschutz - und dazu taugen Aktien eher als Anleihen.

"Der Aktienmarkt muss sich nicht besonders gut entwickeln, um Anleihen zu schlagen," sagt auch Roger Ibbotson, Yale-Professor. Tatsächlich könnte sich das Investorenverhalten in den kommenden Jahren wieder normalisieren, wenn Aktienkäufer durch höhere Renditen für ihr eingegangenes Risiko belohnt werden. Um die Risikoprämie von Aktien abzuschätzen, wird häufig die Rendite zehnjähriger Treasuries zugrunde gelegt: für mehr als achtzig Jahre lag die Rendite von Aktien ca. 4% darüber.

Treasuries verstehen

Heutzutage liegt die Rendite zehnjähriger US-Anleihen bei 2%, was für US-Aktien eine immer noch unterdurchschnittliche Rendite von 6% annualisiert über zehn Jahre bedeuten würde (inklusive Dividenden, aber nicht inflationsadjustiert). Ein Portfolio bestehend aus 50% Aktien und 50% Anleihen käme damit auf eine nominelle Rendite von 4%, bei 2% Inflation blieben noch 2%.

Die Risikoprämie für Aktien könnte momentan höher als gewohnt sein, sagt Ibbotson, langfristig seien Aktien aber eine gute Wahl.

Dennoch herrscht bei Langzeitprognosen unter den Experten keine Einigkeit. Siegel führt an, dass die langfristige, inflationsbereinigte Rendite von Aktien über die letzten 50 Jahre 6-7% betrage. Da Aktien momentan aber unter dem durchschnittlichen P/E-Ratio gehandelt werden, seien Renditen von 8-9% möglich. Bogle und Ibbotson erwarten 7% über die nächsten Jahrzehnte.

Rob Arnott, Vorsitzender der Asset-Management-Boutique Research Affiliates LLC, gibt 5% über die nächsten zehn Jahre an - weitaus weniger, aber immer noch mehr, als von den Bondmärkten erwartet wird.

Die Erwartungen anpassen

Alle diese Werte erscheinen wenig attraktiv verglichen mit den 9.8%, die der S&P 500 seit 1926 erbrachte oder den 5.7%, die Treasuries im gleichen Zeitraum abwarfen. Auch ein gemischtes Portfolio aus 60% Aktien, 20% Anleihen und 20% Cash brachte 8.2%.

Laut Arnott müssten Investoren daher ihre Erwartungen anpassen: die großen Gewinne werden Aktien nicht bringen, aber einen guten Inflationsschutz. Zusätzlich empfiehlt er, sich nach einer dritten Säule umzusehen: das könnten Rohstoffe sein, aber auch Aktien und Anleihen aus Schwellenländern.

Der Aktien-Hype der letzten Jahrzehnte habe zu übertriebenen Erwartungen geführt, so Arnott weiter. Das sei nicht mehr zu erreichen, das Ziel sollte daher eine akzeptable reale Rendite sein.

 

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