Die einfachste Strategie, um in guten wie in schlechten Zeiten Geld zu verdienen


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von Johann Martin

Eintrag vom: 28.11.2011

In unsicheren Zeiten mit unsicheren ökonomischen Signalen ist es extrem schwierig, die richtigen Investment-Entscheidungen zu treffen - man führe sich dazu die aktuelle Situation vor Augen. Die Euro-Krise weitet sich aus, auch die USA scheinen ihr Defizit nur schwerlich in den Griff zu bekommen und die Fundamentaldaten deuten auf eine Rezession hin. Das alles sind gute Gründe, sich aus risikoreichen Asset-Klassen wie etwa Aktien zurückzuziehen.

Doch es gibt Stimmen, die dagegen sprechen. Auch wenn die wirtschaftlichen Daten schwach sind, so kann von einer Rezession nicht die Rede sein, zumindest nicht in Deutschland und auch nicht in den USA. Sollte die Rettung der Euro-Zone zudem gelingen, wäre dies sehr positiv für die Finanzmärkte. Also doch gerade jetzt in Aktien einsteigen? Sonst verpaßt man eventuell die große Rally. Für welches Szenario man sich entscheiden sollte, wird nicht zuletzt auch dadurch erschwert, daß es selten Zeiten gab, in denen die Politik einen derart großen Einfluß auf die Märkte ausübte wie heute.

Gerade richtig für diese Zeiten kommt eine Studie von Vanguard, die zu dem Schluß kommt, daß ein Portfolio, das zu 50 Prozent aus US-Aktien (über alle Branchen und Marktkapitalisierungen hinweg) und 50 Prozent hochgradiger Unternehmensanleihen besteht, sichere Renditen in Rezessionen und Wachstumsphasen von 1926 bis 2009 brachte. Konkret erbrachte dieses Portfolio Realrenditen (also in bezug auf Inflation und externe Preisschocks adjustiert) von 5.59 Prozent in Wachstumsphasen und 5.26 Prozent in Rezessionen - statistisch äquivalente Werte.

Man mag nun einwenden, daß Vanguard bei der Empfehlung dieser kostengünstigen und geradezu langweilig-einfachen Strategie befangen ist, denn immerhin ist Vanguard-Gründer Jack Bogle allgemein als Erfinder des Index-Fonds bekannt. Rückendeckung erhält Vanguard aber auch z.B. von Goldman Sachs. 

Die Logik hinter dieser Anlage-Strategie ist dabei sehr simpel. Aktien erzielen üblicherweise höhere Renditen in Wachstumsphasen, Anleihen hingegen in Rezessionen. Beide Asset-Klassen scheinen stark negativ zu korrelieren. Nun ist die Aussage, dieses Portfolio auch in Krisenzeiten zu halten, natürlich zunächst alles andere als intuitiv. Mehr Sinn würde es machen, Rezessionen gänzlich zu vermeiden und rechtzeitig von Aktien auf Anleihen umzuschalten und umgekehrt. Das Problem hierbei ist jedoch das Timing: die Finanzmärkte eilen der wirtschaftlichen Entwicklung im Allgemeinen voraus, entsprechend hat der Trend längst eingesetzt, wenn die Anleger realisieren, daß z.B. eine Rezession bevorsteht. Wer jetzt noch kauft, hat einen guten Teil der Rally am Bond-Markt bereits verpaßt. Daher ist es langfristig klüger, das 50-50-Portfolio einfach zu halten, anstatt ständigen nach den richtigen Kauf- und Verkauf-Zeitpunkten zu suchen.

Wer nun allerdings glaubt, mittels dieser Strategie schnell reich werden zu können, der irrt. Man bedenke, daß die Renditen historische Durschnitte eines sehr langen Anlagehorizontes sind - zwischendurch aber gab es immer auch Phasen, in denen das 50-50-Portfolio Verluste einstecken mußte. Wer jedoch mit einem sehr langen Anlagehorizont plant und daher nicht auf kurzfristige Liquidität angewiesen ist, für den stellt diese simple Strategie eine sichere, streßfreie und dabei auch noch kostengünstige Lösung dar.

 

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